Cloud HR Software vs. On-Premise: Welche Loesung passt zu Ihrem Unternehmen?
Die Entscheidung zwischen Cloud und On-Premise ist keine rein technische Frage. Sie bestimmt Flexibilitaet, Datensicherheit und Gesamtbetriebskosten Ihres Personalwesens. Dieser Leitfaden liefert belastbare Zahlen, einen vollstaendigen Direktvergleich und konkrete Entscheidungskriterien fuer DACH-Unternehmen.
On-Premise-Realitaet 2026 vs. Cloud-Vorteile
Das gewaehlte Deployment-Modell bestimmt, wie schnell neue Funktionen bereitstehen, wer die Verantwortung fuer Datensicherheit traegt und wie hoch die Gesamtbetriebskosten ueber fuenf bis zehn Jahre sind. Die Zeiten, in denen On-Premise als Standard und Cloud als Experiment galt, sind vorbei.
On-Premise: Was viele unterschaetzen
- Versteckte Wartungskosten: Dediziertes IT-Personal fuer Patches, Updates, Serverueberwachung und Backup-Management. Typische jaehrliche Aufwaende (Hardware-Abschreibung, Wartungsvertraege, IT-Personal, Strom) liegen nach Erfahrungswerten von Find-Your-HR (keine Marktstatistik) fuer mittlere Workloads bei 70.000 bis 100.000 Euro, bevor eine Personalfunktion implementiert ist.
- Versionsrueckstand: Neue Funktionen stehen erst nach internen Testzyklen und Rollout-Projekten bereit. Installationen koennen mehrere Hauptversionen hinter dem aktuellen Stand liegen.
- Skalierungsgrenzen: Belegschaftswachstum erfordert Server-Upgrades, die Kapital binden und Planungszyklen verlaengern. Saisonale Spitzen lassen sich nicht kurzfristig abfedern.
- Fehlender Mobile-Access: Aeltere On-Premise-Systeme sind teils nicht fuer mobile Endgeraete optimiert. Self-Service-Funktionen erfordern Zusatzprojekte.
- SAP ERP HCM-Supportende: Mainstream Maintenance endet am 31.12.2027. Kunden auf EHP 1 bis 5 haben diesen Termin bereits am 31.12.2025 verpasst.
Cloud: Konkrete Vorteile im Ueberblick
- Automatische Updates: Der Anbieter uebernimmt Pflege, Patches und neue Funktionen. Nutzerinnen und Nutzer arbeiten stets mit der aktuellen Version ohne internen Projektaufwand.
- Skalierbarkeit: Mehr Nutzer, mehr Standorte, mehr Daten: Die Infrastruktur waechst mit, in der Regel ohne zusaetzliche Implementierungsprojekte.
- Niedrige Einstiegskosten: Statt hoher initialer Lizenz- und Implementierungskosten ein monatlicher Nutzungsbeitrag. Das schont den Cashflow, besonders fuer KMU.
- Anywhere-Access: Mitarbeitende und HR-Teams koennen von ueberall zugreifen. Das unterstuetzt hybride Arbeitsmodelle.
- Shared-Responsibility-Sicherheit: Renommierte Cloud-Anbieter investieren erheblich in Sicherheitsinfrastruktur, die einzelne Unternehmen allein kaum aufbauen koennten.
Cloud vs. On-Premise: 10 Kriterien im Vergleich
Ein strukturierter Vergleich der zehn entscheidungsrelevanten Dimensionen fuer DACH-Unternehmen aller Groessenklassen.
| Kriterium | Cloud (SaaS) | On-Premise | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| ImplementierungszeitEinrichtung bis Go-live | 4-12 Wochen (KMU), 3-9 Monate (Enterprise). Keine Hardware-Kosten. | 6-18 Monate. Inklusive Server-Beschaffung, Netzwerk und Customizing. | Cloud |
| TCO 5 JahreGesamtbetriebskosten | Planbare monatliche Abos inkl. Wartung und Infrastruktur. Fuer KMU ohne IT-Abteilung meist guenstiger. | Niedrige Lizenzkosten, aber hohe Nebenkosten fuer Personal, Hardware und Support. Fuer grosse Installationen mit eigener IT langfristig kostenguenstiger. | Kontextabhaengig |
| DatensicherheitInfrastruktur und Schutz | ISO 27001, BSI C5, SOC 2. 24/7-Monitoring, redundante Systeme bei EU-Serverstandort. | Abhaengig von eigenen IT-Ressourcen, Patch-Disziplin und Nutzerschulung. Das Schutzniveau ist je Unternehmen sehr unterschiedlich. | Cloud bei prof. Anbietern |
| DSGVO-Compliance§26 BDSG, AVV | Moeglich mit AVV, Serverstandort EU, Drittland-Regelung. §26 BDSG muss im AVV beruecksichtigt sein. | Volle Eigenverantwortung. Mehr Kontrolle, aber eigene Datenschutzkompetenz erforderlich. §26 BDSG gilt auch hier. | Beide moeglich |
| AnpassbarkeitCustomizing und Felder | Konfigurierbar, aber keine freie Code-Anpassung. Individuelle Sonderanforderungen nur ueber APIs. | Vollstaendige Code-Freiheit. Individuelle Workflows und Auswertungen ohne Anbieterbeschraenkung. | On-Premise fuer Spezialbedarfe |
| VerfuegbarkeitSLA und Uptime | Verfuegbarkeitszusagen liegen haeufig zwischen 99,5 und 99,9 % (Vertrag pruefen). Geplante Wartungsfenster werden kommuniziert. Pruefen Sie das SLA auf Lohnzahlungstermine. | Abhaengig von eigener Infrastruktur. Wiederherstellungsverantwortung beim eigenen IT-Team. | Cloud bei prof. SLA |
| Update-ManagementVersionspflege | Automatisch, oft ohne Downtime. Kein Einfluss auf Zeitpunkt und Umfang. | Volle Kontrolle ueber Update-Zeitpunkt. Jedes Update erfordert interne Testprojekte. | Kontextabhaengig |
| SkalierbarkeitNutzerwachstum | Nahezu unbegrenzt. Lizenzen kurzfristig anpassbar. Ideal fuer wachsende Unternehmen. | Hardware-Investitionen und Planungsvorlauf erforderlich. Kapazitaetsreserven muessen vorgehalten werden. | Cloud |
| SystemintegrationERP, Payroll, ATS | REST-APIs und vorkonfigurierte Konnektoren. Ideal fuer heterogene, moderne Systemlandschaften. | Tiefe Integration in homogene On-Premise-ERP-Landschaften (SAP ECC, S/4HANA). Cloud-Anbindung aufwaendiger. | Kontextabhaengig |
| Vendor-Lock-inAnbieterabhaengigkeit | Organisatorischer Lock-in durch langfristige Vertraege und Migrations-Komplexitaet. | Technischer Lock-in durch stark individualisierte Implementierungen. Daten bleiben im eigenen Rechenzentrum. | Beide haben Risiken |
SAP-Kunden unter Zeitdruck
Unternehmen, die noch SAP ERP HCM (klassisches On-Premise-HCM) betreiben, stehen unter erheblichem Handlungsdruck. Die Supportfristen laufen ab, mit direkten Konsequenzen fuer Betriebssicherheit und Compliance.
SAP ERP HCM Mainstream Maintenance endet am 31. Dezember 2027
Kunden auf Enhancement Packages 1 bis 5 haben den Mainstream-Support bereits am 31. Dezember 2025 verloren. Sie sind ab sofort auf kostenpflichtige Extended Maintenance angewiesen.
Extended Support gegen Aufpreis ist nur noch bis zum 31. Dezember 2030 verfuegbar. Danach entfaellt jeglicher SAP-Support: keine Sicherheits-Patches, keine gesetzlich vorgeschriebenen Anpassungen (z.B. Lohnsteuer-Aenderungen).
Wer kein Migrationsprojekt gestartet hat, riskiert den Betrieb eines Systems ohne Sicherheits-Patches und ohne gesetzliche Aktualisierungen.
Quelle: SAP-Ankuendigung vom 4. Februar 2020 zur Business Suite 7, die laut SAP auch HCM und Payroll umfasst. Den Stand fuer Ihr Enhancement Package lassen Sie sich von SAP schriftlich bestaetigen.
Migrationspfad 1: SAP SuccessFactors (Cloud)
- SAP-eigene Cloud-HR-Suite als naheliegendster Migrationspfad
- Tiefe Integration in SAP S/4HANA und SAP-Oekosystem
- Globale Compliance-Abdeckung, EU-Rechenzentren, BSI C5 fuer bestimmte Konfigurationen
- Komplexe Implementierung, starkes Partner-Oekosystem im DACH-Raum
- SAP erzwingt keine Migration zu SuccessFactors
Migrationspfad 2: SAP S/4HANA HCM (On-Premise)
- On-Premise-Alternative fuer SAP-Kunden, die volle Systemkontrolle behalten wollen
- Auch als Private Cloud und Managed Service verfuegbar
- Tiefste Integration in SAP-Landschaft, maximale Anpassbarkeit
- Umfangreiche deutsche Payroll-Funktionalitaet
- Eigenstaendiger Supportzyklus von SAP S/4HANA
Weitere Migrationsziele: Workday HCM, Personio, HRworks, ATOSS und andere DACH-taugliche HR-Systeme kommen ebenfalls als Abloesung in Betracht.
DSGVO, §26 BDSG und Datenschutz bei Cloud-HR
Kein Thema wird bei Cloud-HR in DACH so intensiv diskutiert wie Datenschutz. Die Realitaet ist differenzierter als Skeptiker und Befuerworter suggerieren.
§26 BDSG: Die zentrale nationale Norm fuer Mitarbeiterdaten
§26 BDSG (Bundesdatenschutzgesetz) ist die primaere nationale Rechtsgrundlage fuer die Verarbeitung personenbezogener Daten von Beschaeftigten, unabhaengig vom Deployment-Modell.
- §26 BDSG erlaubt Verarbeitung fuer Begruendung, Durchfuehrung und Beendigung des Arbeitsverhaeltnisses (Stammdaten, Lohn, Zeiterfassung, Fehlzeiten)
- §26 BDSG ist nationale Oeffnungsklausel nach Art. 88 DSGVO und gilt als lex specialis fuer Beschaeftigtendaten in Deutschland
- Der AVV nach Art. 28 DSGVO muss die Anforderungen aus §26 BDSG beruecksichtigen
- Einschraenkung: Nach EuGH, Urteil vom 30. Maerz 2023 (C-34/21), genuegt eine nationale Regelung, die nur die allgemeinen DSGVO-Voraussetzungen wiederholt, nicht als spezifischere Vorschrift nach Art. 88 DSGVO. Fuer §26 Abs. 1 Satz 1 BDSG wird das verbreitet entsprechend gesehen, weshalb zusaetzlich Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO zu pruefen ist
- §26 Abs. 4 BDSG: Betriebsvereinbarungen koennen als eigenstaendige Rechtsgrundlage fuer bestimmte Verarbeitungen dienen
- §26 Abs. 3 BDSG i.V.m. Art. 9 DSGVO: Besondere Schutzmassnahmen fuer Gesundheitsdaten, Gewerkschaftszugehoerigkeit, Schwerbehinderung
EU-Serverstandort und Drittlandtransfer
- Deutschland/EU: Hoechste Rechtssicherheit. Personio, HRworks, Sage HR in Deutschland oder EU.
- USA mit EU-US DPF: Seit Juli 2023 ersetzt das EU-US Data Privacy Framework das Privacy Shield. Das EuG hat die Klage Latombe (T-553/23) am 3. September 2025 abgewiesen. Gegen das Urteil wurde am 31. Oktober 2025 Rechtsmittel zum EuGH eingelegt, eine Entscheidung ist nach unseren Quellen offen (Stand: Oktober 2026).
- USA ohne DPF: Standardvertragsklauseln (SCC) Art. 46 DSGVO plus Transfer Impact Assessment (TIA) erforderlich.
Relevante Pruefstandards
- ISO 27001: Internationaler Standard fuer Informationssicherheits-Managementsysteme. Grundvoraussetzung fuer seriose Cloud-HR-Anbieter im DACH-Raum.
- BSI C5: Deutsches Zertifizierungsrahmenwerk des BSI. Besonders relevant fuer oeffentliche Einrichtungen. Nicht zu verwechseln mit BSI IT-Grundschutz (verbindlich fuer Bundesbehoerden).
- SOC 2 Type II: US-amerikanischer Pruefstandard fuer Sicherheit, Verfuegbarkeit und Datenschutz. Viele internationale Anbieter.
Zwingend erforderliche AVV-Inhalte
- Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) nach Art. 28 DSGVO mit Beruecksichtigung §26 BDSG
- Dokumentation aller Sub-Auftragsverarbeiter mit namentlicher Auflistung
- Regelung von Supportzugriffen inkl. Protokollierungspflicht
- Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) nach Art. 35 DSGVO bei systematischer Grossverarbeitung empfohlen oder verpflichtend
Betriebsrat und §87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG
Die Einfuehrung von HR-Software ist in mitbestimmten Unternehmen kein rein technisch-administrativer Vorgang, unabhaengig davon, ob Cloud oder On-Premise.
Wann greift das Mitbestimmungsrecht?
§87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG gibt dem Betriebsrat ein erzwingbares Mitbestimmungsrecht bei der Einfuehrung und Anwendung technischer Einrichtungen, die zur Ueberwachung von Verhalten oder Leistung der Arbeitnehmer geeignet sind.
Das Mitbestimmungsrecht greift bereits dann, wenn eine technische Einrichtung zur Ueberwachung geeignet ist, unabhaengig davon, ob Ueberwachung tatsaechlich beabsichtigt ist. Nahezu jede HR-Software mit Zeiterfassung, Performance-Tracking, Zielvereinbarungsmodulen oder Anwesenheitsauswertungen erfuellt dieses Kriterium.
- Gilt fuer Cloud-HR ebenso wie fuer On-Premise-Loesungen
- Gilt auch bei KI-gestuetztem Performance-Tracking und automatisierter Aufgabenzuweisung
- Betriebsrat kann Offenlegung aller Datenverarbeitungsstandorte und Sub-Auftragsverarbeiter verlangen
- Betriebsrat kann Zugriffsprotokollierungen verlangen, die ihm auf Anfrage zugaenglich gemacht werden
Betriebsvereinbarung als Voraussetzung
In der Praxis ist der Abschluss einer Betriebsvereinbarung vor der Einfuehrung einer HR-Software faktisch obligatorisch. Typische Inhalte:
- Umfang der erhobenen und gespeicherten Daten
- Zugriffsrechte von HR, Fuehrungskraeften und Betriebsrat
- Auswertungsrechte und zulassige Nutzung von Reports
- Loeschfristen und Protokollierungsstandards
- Bei Cloud-HR: Regelungen zu Sub-Auftragsverarbeitern und Supportzugriffen
Ohne Betriebsvereinbarung kann der Betriebsrat die Einfuehrung per einstweiliger Verfuegung beim Arbeitsgericht stoppen. Das ist einer der haeufigsten Gruende fuer das Scheitern oder Verzoegern von HR-Software-Projekten in Deutschland.
5-Jahres-TCO: Cloud vs. On-Premise fuer 200 Mitarbeiter
Alle Betraege in Euro ohne Mehrwertsteuer. Es handelt sich um ein Rechenbeispiel von Find-Your-HR mit eigenen Annahmen (Stand: Oktober 2026), nicht um Herstellerpreise oder eine Marktstatistik. Individuelle Angebotspreise koennen erheblich abweichen. Das Beispiel gilt fuer ein Unternehmen ohne eigene HR-IT-Abteilung.
| Kostenposition | Cloud SaaS (200 Nutzer, 55 EUR/Nutzer/Monat) | On-Premise (externer IT-Betrieb) |
|---|---|---|
| Softwarelizenz | Entfaellt (im Abo enthalten) | 140.000 EUR einmalig (ca. 700 EUR/Nutzer) |
| Implementierung und Datenmigration | 28.000 EUR einmalig | 45.000 EUR einmalig (Systempartner) |
| Server-Hardware | Entfaellt | 38.000 EUR Jahr 1 + 12.000 EUR Jahr 4 |
| Schulung und Change Management | 13.000 EUR ueber 5 Jahre (5.000 EUR einmalig + 2.000 EUR/Jahr) | Im Implementierungsprojekt enthalten (vereinfacht) |
| Lizenz-/Abo-Kosten laufend | 660.000 EUR (55 EUR x 200 x 60 Monate) | Softwarewartungsvertrag 20 % p.a.: 140.000 EUR ueber 5 Jahre |
| Externer IT-Betrieb und Support | Entfaellt (im Abo enthalten) | 240.000 EUR (4.000 EUR/Monat ueber 5 Jahre) |
| Integrationen und API-Anpassungen | 20.000 EUR (4.000 EUR/Jahr) | Im Implementierungsprojekt und IT-Betrieb enthalten |
| Strom und Kuehlung | Entfaellt | 15.000 EUR (3.000 EUR/Jahr) |
| Update-Projekt (einmalig Jahr 3) | Entfaellt (automatisch) | 25.000 EUR |
| Gesamtkosten 5 Jahre | 721.000 EUR Kosten Jahr 1: ca. 171.000 EUR |
655.000 EUR Kosten Jahr 1: ca. 302.000 EUR |
Erstes Jahr entscheidet
On-Premise verursacht im ersten Jahr rund 302.000 EUR Kosten gegenueber rund 171.000 EUR bei Cloud (Summe der Positionen im Jahr 1). Fuer KMU mit begrenztem Liquiditaetspuffer ist das ein erheblicher Unterschied.
Wachstum und Schrumpfung
Waechst das Unternehmen auf 300 Nutzer, erhoehen sich Cloud-Kosten proportional. Bei On-Premise entfallen keine Lizenzkosten, aber Hardware-Upgrades sind noetig. Cloud-Lizenzen lassen sich bei Schrumpfung reduzieren; On-Premise-Kosten sind weitgehend fix.
Eigene IT-Abteilung veraendert alles
Hat das Unternehmen bereits eine IT-Abteilung, die den On-Premise-Betrieb ohne externe Kosten uebernimmt, sinken die On-Premise-Gesamtkosten im Beispiel auf ca. 415.000 EUR ueber 5 Jahre (655.000 EUR abzueglich 240.000 EUR externer IT-Betrieb), deutlich unter die Cloud-Variante.
Private Cloud, Hybrid und Managed Cloud
Zwischen Cloud und On-Premise gibt es keine scharfe Grenze, sondern ein Spektrum von Bereitstellungsmodellen. Laut IDG Cloud-Migrationsstudie 2023 (DACH, n=321) bevorzugen 41 Prozent der DACH-Unternehmen bei Cloud-Projekten die Private Cloud gegenueber Public Cloud (24 %) und Hybrid (31 %).
Private Cloud
Infrastruktur ist dediziert fuer ein einzelnes Unternehmen, wird aber von einem externen Rechenzentrum oder Cloud-Anbieter betrieben. Moderne Infrastruktur und Skalierbarkeit ohne Ressourcenteilung mit anderen Kunden.
- Hoehere Kosten als Public Cloud
- Mehr Kontrollmoeglichkeiten
- Geeignet fuer Grossunternehmen, regulierte Branchen (Banken, Versicherungen, Gesundheitswesen)
- Geeignet fuer Organisationen mit spezifischen Datenlokalisierungsanforderungen
Hybrid-Deployment
Teile der HR-Anwendungslandschaft laufen On-Premise, andere in der Cloud. Typisch: Lohnabrechnung bleibt On-Premise, waehrend Recruiting und Onboarding ueber Cloud-Loesungen abgebildet werden.
- Vorteile: Flexibilitaet, schrittweise Migration, Beibehaltung bewaehrter Systeme
- Nachteile: Komplexere Integration, hoehere Wartung, moegliche Datenkonsistenzprobleme
- Datenschutz: Zwei separate AVV erforderlich
- DSFA muss Datenfluesse zwischen beiden Umgebungen abdecken
Managed Cloud / Managed On-Premise
Der Anbieter betreibt eine On-Premise-aehnliche Instanz im Auftrag des Kunden in einem definierten Rechenzentrum. Kombination aus On-Premise-Anpassbarkeit und Cloud-Betriebskomfort.
- Anpassungsfreiheit ohne eigenen Betriebsaufwand
- Empfehlenswert bei hohen Individualisierungsanforderungen ohne eigene IT-Abteilung
- Kosten zwischen Public Cloud und klassischem On-Premise
Cloud-HR-Anbieter vs. On-Premise und Hybrid
Herstellerneutraler Ueberblick ueber relevante Anbieter fuer DACH-Unternehmen, nach Deployment-Modell und Zielgruppe sortiert. Angaben zu Serverstandort, Zertifizierungen und Zielgruppe sind Herstellerangaben und im Angebot zu pruefen.
Cloud-Anbieter (SaaS)
Personio
Vollstaendige HR-Plattform fuer den deutschsprachigen Markt (gegruendet 2015, Muenchen). ISO 27001, DSGVO-konform, AVV verfuegbar. Breites Oekosystem an Integrationen. Starke Modulabdeckung von Stammdaten bis Lohnabrechnung.
HRworks
HR-Software fuer den deutschen Mittelstand (Gruendungsjahr 2007, Freiburg). Fokus auf Zeiterfassung, Reisekostenabrechnung und Personaladministration. DSGVO-konformer Betrieb in Deutschland, AVV verfuegbar.
SAP SuccessFactors
SAP-eigene Cloud-HR-Suite. Tiefe SAP-Integration, globale Compliance-Abdeckung, breites Funktionsspektrum von Core HR bis Learning und Performance. Naheliegender Migrationspfad fuer SAP ERP HCM-Kunden. Starkes Partner-Oekosystem im DACH-Raum.
Workday HCM
Vollstaendige HCM-Suite mit Finance-Integration, globale HR-Prozesse, starke Analytik und KI-Funktionen. Hoher Implementierungsaufwand. Hinweis: Ein BSI C5-Testat fuer Workday ist oeffentlich nicht dokumentiert, bei Behoerden-Ausschreibungen gesondert pruefen.
Factorial HR
Schlanker Einstieg, moderne Oberflaeche, starke Self-Service-Funktionen fuer Mitarbeitende. Geeignet fuer DACH-Unternehmen mit weniger spezifischen lokalen Compliance-Anforderungen.
BambooHR
Stark bei Reporting, Employee Experience und Recruiting. Fuer DACH-spezifische Compliance-Anforderungen (z.B. deutsche Lohnabrechnung) eingeschraenkt. EU-US DPF Zertifizierung pruefen.
On-Premise und hybridfaehige Anbieter
SAP HCM (On-Premise)
Tiefste Integration in SAP ERP (S/4HANA), maximale Anpassbarkeit, umfangreiche deutsche Payroll-Funktionalitaet. Wichtig: Mainstream Maintenance endet 31.12.2027 (fuer EHP 1-5 bereits 31.12.2025). Extended Support bis 31.12.2030.
ATOSS
Deutsches Unternehmen (gegruendet 1987, Muenchen). Workforce Management, Dienstplanung, Zeitwirtschaft. Stark im produzierenden Gewerbe, Einzelhandel und Gesundheitswesen. DSGVO-konformes Cloud-Angebot verfuegbar.
Rexx Systems
Deutsches HR-Suite-Unternehmen (seit 2000, Hamburg). Recruiting, Talent Management, HR-Core. DSGVO-konformes Cloud-Angebot mit Serverstandort Deutschland verfuegbar.
Sage HR und Exact
Sage HR: Lohnabrechnung und Personalabrechnung fuer den DACH-Markt, hybridfaehig. Exact: Integration von HR, Lohnabrechnung und Rechnungswesen in einer Plattform, fuer Unternehmen geeignet, die ERP und HR aus einer Hand bevorzugen.
Wann Cloud, wann On-Premise, wann Hybrid?
Eine systematische Entscheidungsmatrix nach Unternehmensgroesse, Branche und verfuegbaren IT-Ressourcen, fuer DACH-Unternehmen von 10 bis 10.000 Mitarbeitenden.
Cloud ist richtig, wenn...
- KMU oder Mittelstaendler ohne eigene IT-Abteilung oder mit begrenzten IT-Ressourcen
- Schnelles Wachstum erfordert Flexibilitaet bei Nutzerzahlen und Funktionen
- HR-Prozesse weitgehend standardisiert, wenig Individualentwicklung noetig
- Niedrige initiale Investitionen und Cashflow-Schonung gewuenscht
- Team arbeitet verteilt, remote oder an mehreren Standorten
- Aktuelle Funktionen ohne eigenen Entwicklungsaufwand gewuenscht
On-Premise ist richtig, wenn...
- Stark regulierte Branche (Banken, Versicherungen, Kritische Infrastruktur, DORA seit Jan. 2025)
- Oeffentliche Einrichtung oder Behoerde mit BSI IT-Grundschutz-Pflicht
- Eigene leistungsfaehige IT-Abteilung und Wunsch nach voller Systemkontrolle
- HR-Prozesse hochgradig individuell, tiefes Customizing erforderlich
- Bestehende, eng integrierte SAP-Landschaft (SAP ECC, S/4HANA)
Hybrid ist richtig, wenn...
- Schrittweise Migration in die Cloud ohne sofortige Abloesung kritischer Systeme
- Lohnabrechnung (Hochsicherheit) bleibt On-Premise, Recruiting in Cloud
- Spezifische Anforderungen an einzelne Standorte oder Laender (lokale Compliance)
- Globale HR-Plattform in der Cloud, lokale Sondersysteme On-Premise
| Unternehmensgroesse | Empfohlenes Modell | Begruendung |
|---|---|---|
| Unter 100 MA | Cloud (SaaS) | In vielen Faellen wirtschaftlich und betrieblich naheliegend. Geringe Einstiegskosten, meist kein eigenes IT-Personal noetig. |
| 100 bis 500 MA | Cloud oder Hybrid | Abhaengig von Branche und Individualisierungsbedarf. Reine On-Premise selten wirtschaftlich ohne eigene IT-Abteilung. |
| 500 bis 2.000 MA | Alle Modelle moeglich | IT-Ressourcen, Integrationsanforderungen und Compliance-Vorgaben sind ausschlaggebend. Detaillierter TCO-Vergleich empfohlen. |
| Ueber 2.000 MA | Hybrid oder Enterprise-Cloud | Haeufig Hybrid oder Enterprise-Cloud mit Private-Cloud-Optionen. On-Premise bleibt relevant fuer SAP-dominierte Konzernlandschaften. |
KI-Funktionen in Cloud-HR: Hochrisiko-KI nach Anhang III
Cloud-HR-Plattformen bewerben zunehmend KI-gestuetzte Funktionen: automatisiertes CV-Screening, KI-basierte Leistungsbewertung, Fluktuationsprognosen und Kompetenz-Matching. Was viele Anwender nicht wissen: Fuer einen Teil dieser Funktionen gilt der EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689, in Kraft seit August 2024). Die Pflichten fuer Hochrisiko-KI nach Anhang III gelten allerdings erst spaeter als urspruenglich vorgesehen.
Hochrisiko-Pflichten erst ab 2. Dezember 2027
Die Digital-Omnibus-Verordnung zur KI (Verordnung (EU) 2026/1744) ist am 27. Juli 2026 in Kraft getreten. Sie verschiebt den Geltungsbeginn der Pflichten fuer Hochrisiko-Systeme nach Anhang III vom 2. August 2026 auf den 2. Dezember 2027. Eingebettete KI in regulierten Produkten folgt am 2. August 2028.
Unveraendert gilt seit 2. Februar 2025 das Verbot der Emotionserkennung am Arbeitsplatz (Art. 5 Abs. 1 lit. f der Verordnung (EU) 2024/1689), ausser aus medizinischen oder Sicherheitsgruenden. Quellen: Hogan Lovells (7. Mai 2026), KPMG Oesterreich (Juli 2026), usd AG (2026).
Welche HR-KI-Funktionen fallen unter den EU AI Act?
- KI-Systeme zur Personalrekrutierung und -auswahl: Beurteilung von Bewerbungen, Vorauswahl von Kandidaten, Analyse von Interviews (automatisiertes CV-Screening, Interview-Analyse-Tools)
- KI zur Leistungsbeurteilung und -ueberwachung: Performance-Tracking-Systeme, KI-basierte Zielvereinbarungsmodule, automatisierte Aufgabenzuweisung auf Basis von Verhalten oder Persoenlichkeitsmerkmalen
- KI zur Kuendigung oder Befoerderungsentscheidung: Systeme, die Kuendigungsrisiken berechnen oder Befoerderungsempfehlungen auf Basis von Mitarbeiter-Daten generieren
Konformitaetsbewertung
Der Anbieter muss nachweisen, dass das KI-System die Anforderungen des EU AI Acts erfuellt. Fragen Sie Ihren Cloud-HR-Anbieter nach einer EU AI Act-Konformitaetsbewertung fuer KI-gestuetzte Funktionen. Diese muss vor dem Go-live vorliegen.
Transparenzpflicht gegenueber Beschaeftigten
Beschaeftigte muessen informiert werden, wenn KI-Systeme bei Entscheidungen eingesetzt werden, die sie betreffen. Eine vollautomatisierte Ablehnung von Bewerbungen ohne menschliche Kontrolle ist unzulaessig.
Menschliche Aufsicht und Betriebsrat
Entscheidungen durch Hochrisiko-KI muessen einer menschlichen Ueberpruefung unterliegen. KI-Funktionen fuer Performance-Tracking oder Personalauswahl erweitern den Geltungsbereich der Betriebsvereinbarung nach §87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG.
Praxisempfehlung: Klaeren Sie bei der Anbieterevaluation explizit, welche Funktionen des Cloud-HR-Systems KI nutzen. Fordern Sie eine schriftliche Aussage zur EU AI Act-Compliance an. Schliessen Sie KI-gestuetzte Funktionen, die Sie nicht benoetigen, im Vertrag aus, um unnoetige Compliance-Risiken zu vermeiden.
Was Cloud und On-Premise im HR-Kontext bedeuten
Die Begriffe werden im Alltag unscharf verwendet. Als Referenz dient die Definition des US-amerikanischen NIST (Special Publication 800-145, September 2011). Sie beschreibt Cloud Computing als Zugriff auf einen gemeinsam genutzten Pool konfigurierbarer Ressourcen. Fuenf Merkmale lassen sich direkt auf den HR-Alltag uebertragen.
Bedarfsgerechte Selbstbedienung
HR-Administratoren legen Nutzer, Module oder Mandanten selbst an, ohne ein Ticket an ein Rechenzentrum. Klaeren Sie, welche Konfigurationen Sie selbst vornehmen duerfen und welche nur der Anbieter freischaltet.
Zugriff ueber das Netz
Der Zugang erfolgt ueber Standardprotokolle per Browser oder Smartphone. Fuer HR zaehlen Mitarbeiterportal, mobile Antraege und Zeiterfassung sowie Zugriffsbeschraenkungen.
Gemeinsam genutzte Ressourcen
Mehrere Kunden teilen sich die Infrastruktur, getrennt ueber Mandanten. Fragen Sie nach Mandantentrennung, Backup-Standort und Unterauftragsverarbeitern.
Schnelle Anpassung der Kapazitaet
Lizenzen und Leistung lassen sich anpassen, etwa bei Saisonspitzen oder Zeitarbeit. Vertraglich zaehlt die Frist, Lizenzen wieder zu reduzieren.
Gemessene Nutzung
Die Nutzung wird erfasst und abgerechnet, meist je Beschaeftigtem und Monat. Klaeren Sie, was als Nutzer zaehlt und welche Module extra kosten.
On-Premise
Der Betrieb liegt im eigenen Rechenzentrum oder bei einem Hosting-Dienstleister, Sie tragen Beschaffung, Patching, Backup und Nachweise. Nach NIST kann auch eine Private Cloud im eigenen Haus stehen. Die Grenze verlaeuft daher weniger ueber den Standort als ueber die Frage, wer den Betrieb verantwortet.
NIST unterscheidet drei Servicemodelle (SaaS, PaaS, IaaS) und vier Bereitstellungsmodelle (Private, Community, Public und Hybrid Cloud). Cloud-HR-Produkte werden in der Regel als SaaS angeboten. Funktionsueberblick: HR-Software Funktionen. Quelle: NIST SP 800-145.
Geteilte Verantwortung, SLA und Wiederanlauf
Sicherheit ist keine Eigenschaft des Modells, sondern eine Frage der Aufgabenverteilung. Die ENISA wertete fuer den Threat Landscape 2025 insgesamt 4.875 Vorfaelle (Juli 2024 bis Juni 2025) aus: Phishing war mit rund 60 Prozent der haeufigste Zugangsweg, die Ausnutzung von Schwachstellen folgte mit 21,3 Prozent. Beides trifft Cloud und On-Premise gleichermassen, nur die Zustaendigkeit fuer Gegenmassnahmen verschiebt sich.
Typisch beim Anbieter (Cloud)
- Physischer Betrieb des Rechenzentrums und der Plattform
- Einspielen von Patches in Plattform, Datenbank und Anwendung
- Mandantentrennung, Backups und Redundanz gemaess Leistungsbeschreibung
- Zertifizierungen und Audit-Nachweise, zum Beispiel nach ISO/IEC 27001
Typisch bei Ihnen (Cloud und On-Premise)
- Rollen- und Rechtekonzept, Pflege der Stammdaten und Datenqualitaet
- Loeschkonzept und Aufbewahrungsfristen im System
- Schnittstellen, Schluessel und Zugangsdaten der Integrationen
- Schulung der Anwender gegen Phishing und Meldeweg fuer Vorfaelle
Rechtlich bleibt der Arbeitgeber Verantwortlicher. Der Anbieter handelt als Auftragsverarbeiter nach Art. 28 DSGVO auf Weisung. Art. 32 DSGVO verpflichtet beide Seiten, Vertraulichkeit, Integritaet, Verfuegbarkeit und Belastbarkeit sicherzustellen und Daten nach einem Zwischenfall rasch wiederherzustellen. Die genaue Aufteilung gehoert in Leistungsbeschreibung und AVV zur HR-Software.
Was 99,9 Prozent tatsaechlich heisst
Eine Verfuegbarkeitszusage klingt hoch, bis man sie in Stunden umrechnet. Die Tabelle zeigt den rechnerisch maximal zulaessigen Ausfall.
| Zugesagte Verfuegbarkeit | Ausfall je Jahr (365 Tage) | Ausfall je Monat (30 Tage) | Einordnung fuer HR |
|---|---|---|---|
| 99,0 % | 87,6 Stunden | 7,2 Stunden | Ein Arbeitstag Ausfall im Monat waere vertragskonform. |
| 99,5 % | 43,8 Stunden | 3,6 Stunden | Ein Ausfall im Lohnlauf ist moeglich. |
| 99,9 % | 8,8 Stunden | 43 Minuten | Fuer viele HR-Prozesse tragfaehig, wenn monatlich gemessen wird. |
| 99,95 % | 4,4 Stunden | 22 Minuten | Relevant bei Zeiterfassung im Dauerbetrieb. |
| 99,99 % | 53 Minuten | 4 Minuten | Fuer reine Personaladministration selten noetig. |
Eigene Berechnung von Find-Your-HR, ohne geplante Wartungsfenster, gerundet.
Was deckt das SLA ab?
- Gesamtdienst oder nur einzelne Komponenten
- Ausnahmen wie geplante Wartung, hoehere Gewalt oder Drittdienste
- Teilausfaelle, etwa nur im Payroll-Modul oder in der Schnittstelle
Wie wird gemessen?
- Monats- oder Jahreswert, denn ein Jahresmittel verdeckt einzelne lange Ausfaelle
- Wer misst und wie wird ein Ausfall definiert
- Wartungsfenster ausserhalb von Lohnlauf, Monatsabschluss und Meldefristen
RPO und RTO nennen lassen
- RPO: maximal tolerierter Datenverlust, gemessen in Zeit
- RTO: maximale Zeit bis zum Wiederanlauf nach einem Ausfall
- Service Credits, Haftung und Eskalationswege vertraglich festhalten
EUCS: Nachweis fuer die Zukunft, nicht fuer heute
Die ENISA entwickelt unter dem Cybersecurity Act (Verordnung (EU) 2019/881) das europaeische Zertifizierungsschema EUCS fuer Cloud-Dienste mit den Stufen Basic, Substantial und High. Nach den von uns geprueften Quellen ist das Schema nicht verbindlich eingefuehrt. Es zaehlen weiterhin Nachweise wie ISO/IEC 27001 und BSI C5. Quelle: Hogan Lovells (Juni 2024).
Vier Ausgangslagen und ihre Abwaegung
Die Szenarien sind konstruierte Beispiele von Find-Your-HR, keine Kundenfaelle. Die Mitarbeiterzahlen sind Annahmen.
| Ausgangslage | Was den Ausschlag gibt | Haeufig geprueftes Modell | Vorab zu klaeren |
|---|---|---|---|
| Scale-up, 180 BeschaeftigteRecruiting und Onboarding | Schnelle Einfuehrung, keine IT-Betriebskapazitaet, weitgehend standardisierte Prozesse. Details zum Bewerbermanagement finden Sie unter Recruiting und ATS Software. | Cloud (SaaS) | Schnittstelle zur Lohnabrechnung, Exportformate, Release-Rhythmus des Anbieters. Bei SAP SuccessFactors erscheinen zwei Hauptreleases pro Jahr (Herstellerangabe). |
| Fertigung, 900 BeschaeftigteSchichtbetrieb, Tarifregeln | Zuschlagslogik, Zeitwirtschaft an Terminals und eine bestehende Lohnabrechnung. Mehr dazu unter HR-Software fuer die Fertigung und Zeit und Workforce Management. | Hybrid oder Cloud-Kern-HR | Verantwortung fuer die Schnittstellen, Pufferung bei Netzausfall am Terminal, SLA fuer den Lohnlauf. |
| Oeffentliche Hand, 3.500 BeschaeftigteDatenhoheit, Vergaberecht | Vergaberecht, BSI-Vorgaben und Datenhoheit. Statt des BetrVG gilt das Personalvertretungsrecht (§ 130 BetrVG). Siehe HR-Software fuer die oeffentliche Hand. | Private Cloud oder Managed | Serverstandort und Betreiber, Nachweise nach BSI C5, Loeschfristen und Zustaendigkeit der Personalvertretung. |
| Finanzdienstleister, 1.200 BeschaeftigteRegulierte Branche | Pruefen, ob und wie das HR-System unter die IKT-Drittparteianforderungen der DORA (Verordnung (EU) 2022/2554, anwendbar seit 17. Januar 2025) faellt. Siehe HR-Software fuer Finanzdienstleister. | Cloud mit DORA-Klauseln oder On-Premise | Exit-Strategie, Audit- und Informationsrechte, Unterauftragsverarbeiter, Meldewege bei Vorfaellen. |
In sechs Schritten zur belastbaren Entscheidung
Ein strukturiertes Vorgehen macht die Entscheidung nachvollziehbar und verhandelbar.
Ausgangslage klaeren
Groesse, Standorte, ERP- und Payroll-Systeme, IT-Kapazitaet, Anwendungsfaelle und Datenresidenz erfassen.
Ziele und Risiken gewichten
Zeit bis zum Nutzen, Kosten, Anpassungsgrad, Compliance, SLA und Wiederanlaufziele gewichten.
Optionen bewerten
Cloud, Hybrid und On-Premise nach Funktionen, Integrationen, Zertifizierungen, Serverstandort und Release-Zyklus vergleichen. Eine Starthilfe bietet die HR-Software Shortlist.
Mitbestimmung und Datenschutz einbinden
Betriebsrat frueh beteiligen und die Datenschutzbewertung starten. Hinweise liefert Betriebsrat einbinden im HR-Projekt.
Proof of Concept durchfuehren
Mit realen Szenarien testen, nicht mit Standarddemos: Lohnlauf mit Testdaten, Schichtmodelle, Abwesenheitsregeln, Rollenkonzept und eine Schnittstelle.
Vertrag und Ausstieg absichern
AVV, SLA mit RPO und RTO, Exportformate und Loeschung bei Vertragsende festlegen. Die Folgekosten ordnet HR-Software TCO ein.
Checkliste Vertrag und Datenschutz
- AVV nach Art. 28 DSGVO mit Liste aller Unterauftragsverarbeiter
- Serverstandort und Supportzugriffe schriftlich zugesichert
- Nachweise: ISO/IEC 27001 mit Geltungsbereich, bei Bedarf BSI C5
- SLA mit Messzeitraum, Wartungsfenstern, RPO und RTO
- Exportformate (zum Beispiel CSV, XML, JSON) und Datenuebergabe bei Vertragsende
Checkliste Proof of Concept
- Lohnlauf mit anonymisierten Echtdaten inklusive Sonderfaellen
- Schicht-, Zuschlags- und Abwesenheitsregeln aus Ihren Tarifvertraegen
- Rollen- und Rechtekonzept mit Betriebsrat und Datenschutz abgestimmt
- Mindestens eine produktionsnahe Schnittstelle zu ERP oder Zeiterfassung
- Antwortzeiten bei realer Nutzerzahl und Verhalten bei Netzausfall
Cloud HR vs. On-Premise: Ihre Fragen beantwortet
Die haeufigsten Fragen von HR-Verantwortlichen und IT-Entscheidern bei der Wahl des Deployment-Modells, mit selbststaendigen, zitierbaren Antworten.
Ist Cloud-HR wirklich sicher?
Ja, wenn der Anbieter belastbare Nachweise vorlegt und der Vertrag sorgfaeltig geprueft wird. Entscheidend sind eine Zertifizierung nach ISO/IEC 27001 mit passendem Geltungsbereich, der Standort der Rechenzentren, Verschluesselung bei Uebertragung und Speicherung sowie klare Regeln zu Supportzugriffen im AVV. Kein Modell ist von selbst sicher: Laut ENISA Threat Landscape 2025 war Phishing mit rund 60 Prozent der haeufigste Zugangsweg bei Vorfaellen in der EU. Rollenkonzept, Schulung und Patch-Disziplin zaehlen deshalb in beiden Modellen.
Welcher Cloud-HR-Anbieter hat Server in Deutschland?
Personio und HRworks geben als Serverstandort Deutschland an (Herstellerangabe). SAP SuccessFactors und Workday bieten EU-Rechenzentren an, darunter auch Standorte in Deutschland (Herstellerangabe). Fragen Sie bei der Anbieterevaluation stets nach einem schriftlichen Nachweis des Serverstandorts und lassen Sie ihn im Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) nach Art. 28 DSGVO dokumentieren.
Was kostet On-Premise-HR-Software wirklich?
Der Listenpreis fuer Lizenzen ist nur ein Teil der Gesamtkosten. Hinzu kommen Server-Hardware, Netzwerkinfrastruktur, IT-Personal fuer Betrieb und Wartung, Strom und Kuehlung, Upgrade-Projekte und externer Support. Im Rechenbeispiel von Find-Your-HR (eigene Annahmen, Stand: Oktober 2026) liegen die On-Premise-Gesamtkosten fuer ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitenden ohne eigene IT-Abteilung ueber fuenf Jahre bei rund 655.000 Euro, davon rund 302.000 Euro im ersten Jahr. Uebernimmt eine vorhandene IT-Abteilung den Betrieb, sinkt der Wert im Beispiel auf rund 415.000 Euro. Die Annahmen stehen in der TCO-Tabelle oben, Herstellerangebote weichen davon ab.
Kann ich von On-Premise in die Cloud migrieren?
Ja. Die Migration ist technisch moeglich, aber aufwaendig. Sie erfordert eine Bestandsaufnahme aller Daten, ein Datenmigrations- und Bereinigungsprojekt, die Neu-Implementierung von Anpassungen und Integrationen sowie ausfuehrliche Testphasen. SAP-Kunden muessen besonders dringlich handeln: Der Mainstream-Support fuer SAP ERP HCM endet am 31. Dezember 2027. Kunden auf Enhancement Packages 1 bis 5 haben diesen Termin bereits am 31. Dezember 2025 verpasst. Extended Support ist nur noch bis 31. Dezember 2030 verfuegbar. Moegliche Migrationsziele: SAP SuccessFactors, SAP S/4HANA HCM sowie alternative HR-Systeme wie Workday, Personio oder HRworks.
Welche HR-Daten darf ich in die Cloud geben?
Grundsaetzlich alle Mitarbeiterdaten, solange DSGVO- und BDSG-Anforderungen erfuellt sind. Die primaere nationale Rechtsgrundlage fuer die Verarbeitung von Beschaeftigtendaten in Deutschland ist §26 BDSG. Zusaetzlich ist ein AVV nach Art. 28 DSGVO abzuschliessen und Drittlandtransfers sind zu klaeren. Besondere Vorsicht gilt bei besonderen Datenkategorien nach Art. 9 DSGVO in Verbindung mit §26 Abs. 3 BDSG (Gesundheitsdaten, Gewerkschaftszugehoerigkeit, Schwerbehinderung). Diese erfordern eine spezifische gesetzliche Grundlage und erhoehte technische Schutzmassnahmen. Eine Datenschutz-Folgenabschaetzung (DSFA) ist bei systematischer Grossverarbeitung empfohlen oder verpflichtend.
Wie hoch ist der Vendor-Lock-in bei Cloud-HR?
Der Vendor-Lock-in bei Cloud-HR ist real und sollte in der Anbieterwahl beruecksichtigt werden. Pruefen Sie vor Vertragsabschluss: In welchem Format koennen Daten exportiert werden? Welche Exportfunktionen stehen zur Verfuegung? Gibt es offizielle Migrationspfade? Was regelt der Vertrag bei Vertragsende zur Datenuebergabe und -loeschung? Standardisierte Datenformate (CSV, XML, JSON) und dokumentierte APIs reduzieren das Lock-in-Risiko erheblich. Auch On-Premise hat Lock-in-Risiken, allerdings technischer Natur durch stark individualisierte Implementierungen.
Ist Cloud-HR fuer oeffentliche Einrichtungen geeignet?
Bedingt. Fuer Bundesbehoerden, Landesbehoerden und viele oeffentliche Einrichtungen gelten besondere Anforderungen ueber die DSGVO hinaus: Vergaberecht, BSI IT-Grundschutz (verbindliche Sicherheitsmanagement-Methodik fuer Bundesbehoerden, nicht zu verwechseln mit dem BSI C5-Zertifizierungsnachweis), Anforderungen an Datenhoheit und Betriebskontrolle. BSI C5-zertifizierte Anbieter mit Serverstandort Deutschland sind Mindestvoraussetzung fuer Cloud im oeffentlichen Bereich. Private Cloud oder Hybrid sind oft besser geeignet. Einige Einrichtungen nutzen Rechenzentren der oeffentlichen Hand wie Dataport oder govdigital.
Muss ich den Betriebsrat bei der Einfuehrung von Cloud-HR einbinden?
Ja, in mitbestimmten Unternehmen ist die Einbindung des Betriebsrats zwingend erforderlich. §87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG gibt dem Betriebsrat ein erzwingbares Mitbestimmungsrecht bei technischen Einrichtungen, die zur Ueberwachung von Verhalten oder Leistung der Arbeitnehmer geeignet sind. Das trifft auf nahezu jede HR-Software mit Zeiterfassung, Performance-Tracking oder Anwesenheitsauswertungen zu. Wird keine Betriebsvereinbarung vor der Einfuehrung abgeschlossen, kann der Betriebsrat die Einfuehrung per einstweiliger Verfuegung beim Arbeitsgericht stoppen. Fruehzeitige Einbindung spart Zeit und Kosten. In Dienststellen des oeffentlichen Dienstes gilt statt des BetrVG das Personalvertretungsrecht.
Was ist der Unterschied zwischen SaaS, PaaS und IaaS im HR-Kontext?
SaaS (Software as a Service): Der Anbieter stellt die vollstaendige HR-Anwendung bereit. Kunden konfigurieren, entwickeln aber nicht selbst. Personio, HRworks und SuccessFactors sind SaaS-Modelle und damit das gaengige Cloud-HR-Modell. PaaS (Platform as a Service) ist relevant, wenn Unternehmen eigene HR-Erweiterungen entwickeln wollen, zum Beispiel auf der SAP Business Technology Platform. IaaS (Infrastructure as a Service) bedeutet, dass nur die Infrastruktur aus der Cloud kommt und die HR-Software selbst betrieben und gewartet wird. Funktional entspricht das einem On-Premise-Modell, aber ohne eigene Hardware-Beschaffung. Die Begriffe stammen aus der NIST-Definition (SP 800-145).
Wie gut ist die Verfuegbarkeit von Cloud-HR-Systemen?
Verfuegbarkeitszusagen im Bereich von 99,5 bis 99,9 Prozent sind ein ueblicher Pruefpunkt in Cloud-HR-Vertraegen, massgeblich ist der konkrete Vertrag. Rechnerisch entsprechen 99,5 Prozent rund 44 Stunden Ausfall pro Jahr, 99,9 Prozent rund 8,8 Stunden. Laut IDG-Studie 2023 (DACH-Region, n=321) bewerteten 32 Prozent ihre Cloud-Erfahrung als sehr zufrieden und 46 Prozent als zufrieden. Entscheidend ist, was das SLA misst (Gesamtdienst oder Komponente, Monats- oder Jahreswert, mit oder ohne Wartung) und welche RPO und RTO gelten. Pruefen Sie die Klauseln gezielt auf Lohnzahlungstermine: Jahresdurchschnitte schuetzen nicht vor einem Ausfall am Monatsende.
Was gilt 2026 und 2027 fuer KI-Funktionen in Cloud-HR?
Die Hochrisiko-Pflichten des EU AI Acts (Verordnung (EU) 2024/1689) gelten fuer Systeme nach Anhang III durch die Digital-Omnibus-Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27. Juli 2026, erst ab 2. Dezember 2027 statt ab 2. August 2026. KI zur Personalrekrutierung und -auswahl sowie zur Leistungsbeurteilung oder Ueberwachung von Beschaeftigten gilt als Hochrisiko nach Anhang III Nr. 4. Betreiber muessen dann unter anderem Konformitaet, Information der Beschaeftigten und menschliche Aufsicht sicherstellen. Bereits seit 2. Februar 2025 verboten ist Emotionserkennung am Arbeitsplatz. Klaeren Sie bei der Anbieterevaluation, welche Funktionen KI nutzen.
Was bedeutet geteilte Verantwortung bei Cloud-HR?
Der Anbieter betreibt Rechenzentrum und Plattform und spielt Patches ein. Sie verantworten Rollen und Rechte, Datenqualitaet, Loeschkonzept, Schnittstellen und das Verhalten der Nutzer. Datenschutzrechtlich bleibt der Arbeitgeber Verantwortlicher, der Anbieter handelt als Auftragsverarbeiter nach Art. 28 DSGVO auf Weisung. Art. 32 DSGVO verlangt von beiden Seiten angemessene technische und organisatorische Massnahmen. Die genaue Aufteilung steht in Leistungsbeschreibung und AVV und sollte vor Vertragsschluss schriftlich geklaert sein.
Welche Rolle spielt das EU-Zertifizierungsschema EUCS?
EUCS ist ein von der ENISA entwickeltes Zertifizierungsschema fuer Cloud-Dienste unter dem Cybersecurity Act (Verordnung (EU) 2019/881) mit den Stufen Basic, Substantial und High. Umstritten waren vor allem Souveraenitaetsanforderungen fuer die Stufe High. Nach den von uns geprueften Quellen ist das Schema nicht verbindlich eingefuehrt (Stand: Oktober 2026). Fuer die Anbieterauswahl zaehlen deshalb bestehende Nachweise wie ISO/IEC 27001 und BSI C5. Pruefen Sie den aktuellen Stand bei der ENISA.
Jetzt den richtigen Anbieter finden
Sie wissen, welche Deployment-Architektur zu Ihrem Unternehmen passt. Der naechste Schritt ist die Auswahl des richtigen Anbieters. Find-Your-HR bietet einen strukturierten, herstellerneutralen Marktueberblick ueber Cloud- und On-Premise-HR-Software fuer DACH-Unternehmen.