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HR-IT-Strategie: Das Zielbild vor der Softwareauswahl

Bevor ein Lastenheft für eine neue HR-Software entsteht, braucht es ein tragfähiges HR-IT-Strategie-Zielbild: eine von Personalabteilung, IT und Geschäftsführung gemeinsam getragene Soll-Architektur für Kernprozesse wie Recruiting, Personalstammdaten, Talent Management, Zeitwirtschaft und Workforce Analytics. Für mittelständische Unternehmen und Konzerne in Deutschland, die ihre HR-Systemlandschaft konsolidieren oder ein neues HR-Kernsystem (HRIS, Human Resources Information System) einführen, entscheidet genau dieses Zielbild darüber, ob die anschließende Softwareauswahl zu einer tragfähigen, integrierten Lösung führt oder zu einem weiteren Punktsystem in einem ohnehin fragmentierten HR-Tech-Stack.

Wie riskant ein Softwareprojekt ohne belastbare Anforderungsgrundlage ist, lässt sich nur vorsichtig beziffern. Häufig zitiert werden die Erhebungen der Standish Group (CHAOS Report), deren Ausgabe von 1994 einen Projekterfolg von 16 Prozent auswies. Die Definitionen dahinter sind umstritten: Eveleens und Verhoef (IEEE Software 2010) halten sie für irreführend, weil sie allein auf der Schätzgenauigkeit von Kosten, Zeit und Funktionsumfang beruhen, und konnten die Standish-Zahlen an 5.457 Prognosen aus 1.211 Projekten nicht bestätigen. Belastbar ist deshalb weniger eine Prozentzahl als die Plausibilität: Wer die Zielbild-Phase überspringt und direkt in die Anbieterauswahl einsteigt, verlagert unklare Anforderungen in ein HR-Projekt, das ohnehin sensible Personendaten, Mitbestimmungsrechte und gewachsene Altsysteme verbindet. Das ist eine Einschätzung von Find-Your-HR und keine Studienaussage.

HRIS / HCM / HRMS TOGAF / ADM § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG DSGVO EU-KI-Verordnung (AI Act) EU-Entgelttransparenzrichtlinie
16 %
Projekterfolg nannte der Standish-CHAOS-Report 1994. Die zugrunde liegenden Definitionen sind methodisch umstritten (Eveleens und Verhoef, 2010).
2 bis 6
Wochen als Planungsannahme von Find-Your-HR für ein HR-IT-Zielbild, je nach Unternehmensgröße und Zahl der Landesgesellschaften. Kein Messwert.
6
Bausteine bilden ein belastbares HR-IT-Zielbild: von der Strategieverzahnung bis zum Business Case.
02.12.2027
Neuer Stichtag der Hochrisiko-Pflichten nach Anhang III der EU-KI-Verordnung, zu denen HR-Anwendungsfälle zählen (VO (EU) 2026/1744).
Ausgangslage

Warum ein HR-IT-Strategie-Zielbild vor jeder Softwareauswahl steht

Eine Funktionsliste ist kein Zielbild. Wer beides verwechselt, schreibt den Status quo fort statt die Zielarchitektur. Wie sich ein Zielbild in eine begründete Empfehlung übersetzt, zeigt die Seite beste HR-Software 2026.

Das Problem

Softwareauswahl ohne Zielbild

Häufig beginnen HR-Softwareprojekte mit einer Funktionsliste statt mit einer Strategie: Ein Fachbereich sammelt Anforderungen aus dem Tagesgeschäft, ein externer Berater liefert eine Marktübersicht, und innerhalb weniger Wochen steht ein umfangreiches Lastenheft mit sehr vielen Einzelanforderungen. Das ist eine Beobachtung von Find-Your-HR, keine Erhebung. Was fehlt, ist die vorgelagerte Frage, welche HR-Prozesslandschaft das Unternehmen in drei bis fünf Jahren überhaupt haben will und wie diese mit der übergeordneten Unternehmens- und IT-Strategie zusammenhängt.

Die Folge: Anforderungen spiegeln den Status quo wider, nicht die Zielarchitektur. Systeme werden nach Ist-Prozessen ausgeschrieben, die eigentlich abgeschafft werden sollten. Stakeholder aus IT und Geschäftsführung werden erst eingebunden, wenn die Ausschreibung bereits läuft, mit der Folge, dass Sicherheitsanforderungen, Integrationsvorgaben oder Budgetrestriktionen nachträglich das gesamte Lastenheft verändern.

Nach unserer Einschätzung ist dieses nachträgliche Aufrollen ein naheliegender Grund, warum HR-Softwareprojekte in der Selektionsphase Zeit verlieren oder nach der Implementierung als Fehlkauf gelten, weil das gewählte System zwar die ursprüngliche Anforderungsliste erfüllt, aber nicht zur tatsächlichen Zielarchitektur des Unternehmens passt. Welche Stolpersteine in der Auswahl selbst auftreten, behandelt der Überblick zur HR-Softwareauswahl; dieser Artikel setzt bewusst eine Ebene davor an, bei der Ursache statt bei den Symptomen.

Die Lösung

Zielbild vor Lastenheft

Ein HR-IT-Strategie-Zielbild kehrt diese Reihenfolge um. Es definiert zunächst die Soll-Prozesslandschaft (welche HR-Prozesse laufen künftig wie ab, mit welchem Automatisierungsgrad, mit welcher Systemunterstützung), verankert diese explizit in der Unternehmens- und IT-Strategie (Wachstumspläne, geplante M&A-Aktivitäten, Cloud-first-Vorgaben, Konsolidierungsziele) und stellt sicher, dass HR, IT und Geschäftsführung ein gemeinsames Zielverständnis haben, bevor überhaupt eine Anforderung formuliert wird.

Aus diesem Zielbild leiten sich anschließend Architekturprinzipien (z. B. „ein HR-Kernsystem als Single Source of Truth", „keine Individualentwicklung ohne dokumentierte API-Schnittstelle") und Priorisierungskriterien ab, die das spätere Lastenheft konsistent und entscheidungsfähig machen. Dieses Vorgehen orientiert sich methodisch an etablierten Enterprise-Architecture-Frameworks wie TOGAF (The Open Group Architecture Framework), mit seiner Architecture Development Method (ADM) und Referenzmodellen wie dem Technical Reference Model, angewendet auf die Domäne Human Resources.

Als Planungsannahme von Find-Your-HR, nicht als Messwert, setzen wir für diese vorgelagerte Phase zwei bis sechs Wochen an. Der Übergang in ein konkretes HR-Software-Lastenheft mit priorisierten Muss-, Soll- und Kann-Anforderungen ist bewusst ein eigener, nachgelagerter Schritt: Die technische Ausgestaltung finden Sie in der HR-Software-Checkliste, die Funktionsbreite im Überblick HR-Software-Funktionen.

Selbsteinschätzung

Reifegradmatrix: Wo steht Ihr Unternehmen beim HR-IT-Strategie-Zielbild?

Die folgende Matrix dient als strukturierte Selbsteinschätzung. Sie bewertet fünf Dimensionen eines HR-IT-Zielbilds entlang von vier Reifegraden, von „nicht vorhanden" bis „strategisch verankert". Unternehmen, die sich in mehreren Dimensionen auf Stufe 0 oder 1 wiederfinden, sollten die Zielbild-Phase vor jeder Ausschreibung priorisieren.

Dimension Stufe 0: Ad hoc Stufe 1: Punktuell Stufe 2: Strukturiert Stufe 3: Strategisch verankert
Verknüpfung mit Unternehmensstrategie Kein Bezug zur Unternehmensstrategie erkennbar Einzelne Ziele werden informell erwähnt Zielbild leitet sich aus dokumentierten Unternehmenszielen ab Zielbild ist Teil eines formalen Strategie-Reviews mit CHRO und CIO
Soll-Prozesslandschaft Nicht definiert, nur Ist-Prozesse bekannt Einzelne Prozesse skizziert, kein Gesamtbild Prozesslandkarte für alle HR-Kernprozesse vorhanden (z. B. nach BPMN) Prozesslandkarte mit definierten Automatisierungs- und Zielreifegraden pro Prozess
Stakeholder-Alignment HR entscheidet allein IT wird informiert, nicht eingebunden HR und IT stimmen gemeinsam ab, Geschäftsführung informiert Verbindliches Steering-Komitee aus HR, IT, Geschäftsführung und ggf. Betriebsrat
Datenarchitektur & Integration Keine Aussage zu Schnittstellen oder Datenhoheit Schnittstellen werden fallweise geklärt Zielbild für Datenflüsse und System-of-Record je Datendomäne definiert, Integrationsstandards (API/SCIM) benannt Integrationsarchitektur mit dokumentierten API-Standards, Provisionierungsprozess (SCIM/SSO) und klarer Datenhoheit
Governance & Entscheidungsrechte Keine formalen Entscheidungswege Entscheidungen liegen bei Einzelpersonen RACI-Matrix (Responsible, Accountable, Consulted, Informed) für Kernentscheidungen vorhanden Governance-Modell mit Budget-, Architektur- und Change-Verantwortung fest verankert

Eine repräsentative Erhebung zum typischen Reifegrad liegt uns nicht vor. Als Arbeitshypothese von Find-Your-HR gilt: Viele mittelständische Unternehmen liegen vor einem strukturierten Auswahlprozess in mehreren Dimensionen auf Stufe 0 oder 1, besonders beim Stakeholder-Alignment und bei der Datenarchitektur. Bei Konzernen mit etablierter Enterprise-Architecture-Funktion liegt die Aufgabe eher darin, das Zielbild in eine für HR verständliche, handlungsleitende Form zu übersetzen. Nutzen Sie die Matrix deshalb als Orientierung für das eigene Gespräch, nicht als Benchmark.

Bewusst ausgeklammert bleibt in dieser Matrix eine sechste, ebenso wichtige Dimension: die Veränderungsfähigkeit der Organisation selbst, also Kommunikationsfähigkeit, Kompetenzaufbau und die Kapazität, eine neue Systemlandschaft im Tagesgeschäft tatsächlich zu adaptieren. Dieser Aspekt würde den Rahmen einer reinen Architektur- und Governance-Reifegradmatrix sprengen und wird hier nicht vertieft. Planen Sie ihn dennoch früh mit, etwa durch Kommunikation, Schulung und ein gestuftes Supportmodell.

Bausteine

Die sechs Bausteine eines belastbaren HR-IT-Zielbilds

Jeder Baustein adressiert eine eigene Fehlerquelle, die ohne vorgelagertes Zielbild typischerweise erst mitten in der Anbieterauswahl sichtbar wird.

01

Verzahnung mit Unternehmens- und IT-Strategie

Ein isoliert entstandenes Zielbild verfällt, sobald sich Rahmenbedingungen ändern, etwa durch eine Übernahme, den Eintritt in neue Länder oder eine konzernweite Cloud-first-Vorgabe. Ein gemeinsamer Workshop mit CHRO und CIO prüft beide Strategiedokumente auf Widersprüche, bevor die HR-Zielarchitektur final festgeschrieben wird.

02

Soll-Prozesslandschaft statt Funktionsliste

Eine Prozesslandkarte zeigt, wie Recruiting, Onboarding, Performance Management, Weiterbildung, Zeitwirtschaft und Offboarding als zusammenhängende Prozesskette funktionieren sollen. Modelliert mit einem standardisierten Notationsansatz wie BPMN, werden Redundanzen und Medienbrüche sichtbar, bevor ein Anbieter überhaupt evaluiert wird.

03

Stakeholder-Alignment zwischen HR, IT und Geschäftsführung

HR priorisiert Nutzerfreundlichkeit, IT priorisiert Sicherheitsarchitektur, die Geschäftsführung priorisiert Kosten. Ein interdisziplinärer Steering-Kreis mit RACI-Matrix macht diese Zielsysteme explizit. Ein Beispiel für eine solche Rollenverteilung zeigt der Abschnitt zur Governance weiter unten; zur Einbindung des Betriebsrats siehe Betriebsrat im HR-Projekt einbinden.

04

Systemarchitektur-Prinzipien und Integrationsfähigkeit

Vor der Anbieterwahl (etwa SAP SuccessFactors, Workday oder Personio) klärt das Zielbild: Single Source of Truth oder Best-of-Breed? Konkrete Standards wie SCIM für Provisionierung, SAML 2.0 oder OpenID Connect für Single Sign-on, REST- oder GraphQL-APIs und die Anbindung an den Joiner-Mover-Leaver-Prozess (JML) sollten dabei bereits benannt sein. Im Best-of-Breed-Modell kommen Integrationsplattformen (iPaaS) hinzu. Die Reihenfolge der genannten Anbieter ist keine Wertung.

  • Drittlandsübermittlung prüfen (Angemessenheitsbeschluss oder Standardvertragsklauseln)
  • SCIM, SAML 2.0 und OpenID Connect als Integrationsstandards
  • JML-Prozess an IAM-Systeme anbinden
05

Datenmodell, Datenhoheit und Single Source of Truth

Für jede zentrale Datendomäne muss feststehen, welches System führend ist. Besonders praxisrelevant ist die Synchronisation mit der Lohnabrechnung, im deutschen Markt häufig mit DATEV. Welche Funktionen die Systeme abdecken, zeigt der Überblick HR-Software-Funktionen. Vergütungsdaten verdienen dabei eine eigene Datendomäne, nicht zuletzt wegen der EU-Entgelttransparenzrichtlinie.

06

Business Case, Priorisierung und Investitionsrahmen

Ein Zielbild ohne groben Investitionsrahmen bleibt akademisch. Ein einfaches Impact-Aufwand-Portfolio verhindert, dass das spätere Lastenheft alle Wünsche gleich gewichtet, obwohl das Budget das gar nicht hergibt. Eine Gesamtbetrachtung über mehrere Jahre finden Sie unter Total Cost of Ownership bei HR-Software, die Kostentreiber unter HR-Software Kosten.

Governance

Entscheidungswege festlegen: RACI und Decision Log

Bevor die erste Anbieterpräsentation stattfindet, sollte klar sein, wer entscheidet, wer liefert und wer beratend mitwirkt. Andernfalls entstehen Wartezeiten, Schattenentscheidungen und Schleifen.

Ebene 1

Steering

Sponsoring, Budget und Freigabe der Entscheidungen. Hier sitzen Geschäftsführung, HR- und IT-Leitung.

Ebene 2

Projektrat

Bereitet fachliche und technische Entscheidungen vor, priorisiert und löst Zielkonflikte zwischen den Arbeitspaketen.

Ebene 3

Working Streams

Erarbeiten die Artefakte: Daten, Prozesse, Datenschutz und Sicherheit, Integration, Kosten.

Das RACI-Modell hält pro Aktivität fest, wer ausführt (Responsible), wer die Ergebnisverantwortung trägt (Accountable), wer berät (Consulted) und wer informiert wird (Informed). Halten Sie es pro Phase fest, also für Vorbereitung, Auswahl und Einführungsvorbereitung. Die Tabelle ist ein Beispiel von Find-Your-HR, das Sie an Ihre Organisation anpassen.

AktivitätResponsibleAccountableConsultedInformed
Zielbild und KPIs definierenProduct Owner HRSponsor HR (CHRO)Finance, ITBetriebsrat, HR Business Partner
Datenprofiling und DatenkatalogHRIS- oder ProzessverantwortlicheProduct Owner HRPayroll, ITSteering
Datenschutz- und SicherheitsbasisIT-Security, DatenschutzbeauftragteRechtHR Operations, BetriebsratSteering
Integrations-BlueprintIT, IntegrationProduct Owner HRERP, PayrollSteering
TCO und VertragsoptionenFinance, EinkaufSponsorRecht, ITSteering

Ergänzen Sie die Governance um ein Decision Log. Jede relevante Entscheidung erhält einen Einseiter mit Ziel, Optionen, Bewertung, Risiko, Empfehlung und Beschluss. Das macht später nachvollziehbar, warum ein Anbieter ausgeschieden ist.

Messbarkeit

Zielbild messbar machen: Baseline, KPIs und Nachweis bis in den Vertrag

Ohne Zielbild wird die Auswahl zur Funktionsschau. Formulieren Sie Ziele deshalb als Ergebnisse, die fachlich spürbar sind: weniger Fehler, kürzere Durchlaufzeiten, höhere Self-Service-Nutzung oder bessere Nachweisfähigkeit. Je Ziel gehören eine Kennzahl, ein Zielwert, eine Messmethode und ein Verantwortlicher dazu.

Ebene 1

Übergeordnetes Ergebnis

Ein Ziel, das die Geschäftsleitung versteht, zum Beispiel: Mitarbeitende erledigen den Großteil der HR-Transaktionen selbst.

Ebene 2

Treiber-Kennzahlen

Messgrößen, die das Ergebnis beeinflussen, etwa Bearbeitungszeit je Antrag oder Fehlerquote vor der Lohnabrechnung.

Ebene 3

Instrument-Kennzahlen

Technische und prozessuale Messpunkte wie Anteil gültiger Pflichtfelder, Erfolgsquote der Schnittstellen oder Testabdeckung.

Baseline vor dem Zielwert erheben. Ein Zielwert ohne Ausgangslage ist eine Behauptung. Der Messzeitraum sollte Spitzen wie Urlaubszeit und Jahreswechsel abdecken. Nutzen Sie operative Quellen wie Tickets, Rückläufe aus der Lohnabrechnung und Zeitwirtschaft statt nur Umfragen, und trennen Sie nach Bereichen, Standorten und Ländern, weil Engpässe sonst im Durchschnitt verschwinden. Arbeiten Sie mit Median (P50) und dem 90. Perzentil (P90) statt nur mit dem Mittelwert; die Streuung entscheidet über die spätere Service-Level-Gestaltung.

Messhandbuch führen. Legen Sie je Kennzahl die Definition, den Zeitraum, Stichtage, Ausnahmen und das Dashboard fest. Diese Messkarten gehören in den Proof of Value: Anbieter zeigen im Testzugang, wie die Erhebung in der Lösung funktioniert. Zahlenwerte für Ihre Baseline können wir nicht vorgeben, sie hängen von Ihrem Betrieb ab.

Ergebnis (Beispiel)Bewertungskriterium in der AuswahlNachweis im Proof of ValueVertragliche Absicherung
Fehlerfreie Daten vor der LohnabrechnungValidierungsregeln, Pflichtfelder, Prüfliste vor dem ExportParallellauf mit Auswertung der FehlerklassenService Credits bei Überschreiten einer vereinbarten Fehlerrate
Kurze Zeit bis zum ArbeitsbeginnOnboarding-Abläufe, SCIM, Single Sign-onDurchlaufzeit von der Zusage bis zum aktiven KontoBearbeitungszeiten je Schnittstelle im Service-Level
Hohe Self-Service-NutzungMobile Nutzung, Delegation, geführte AbläufeNutzungs-Dashboard und Funnel-AuswertungAdoption-Paket oder Enablement an Ziel-Kennzahlen gekoppelt
Rechtliche Rahmenbedingungen

Compliance- und Risikoaspekte in der Zielbild-Phase

Wer diese acht Punkte erst im laufenden Auswahlprozess prüft statt im Zielbild, riskiert Verzögerungen und nachträglich ausscheidende Favoriten. Stand der Rechtslage: Oktober 2026.

01 · Mitbestimmung

Betriebsrat nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG

Der Betriebsrat hat ein Mitbestimmungsrecht bei technischen Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, das Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen. Nach der Rechtsprechung genügt es, dass die Einrichtung objektiv geeignet ist, Verhaltens- oder Leistungsinformationen zu erheben und aufzuzeichnen; auf eine Überwachungsabsicht des Arbeitgebers kommt es nicht an (BAG, Beschluss vom 8. März 2022, 1 ABR 20/21). Bei Zeiterfassung, Leistungsfunktionen oder Auswertungen kann das der Fall sein. Wird der Betriebsrat erst nach der Anbieterauswahl einbezogen, kann das die Einführung verzögern. Mehr dazu unter Betriebsrat einbinden.

02 · Datenschutz

DSGVO und internationale Datenübermittlung

HR-Systeme können besondere Kategorien personenbezogener Daten verarbeiten, etwa Gesundheitsdaten oder die Gewerkschaftszugehörigkeit (Art. 9 DSGVO). Bereits im Zielbild sollte feststehen, ob eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO nötig wird und wie Datenschutz durch Technikgestaltung (Art. 25 DSGVO) verankert wird. Bei Datenübermittlungen in die USA prüfen Sie die Rechtsgrundlage: den Angemessenheitsbeschluss zum EU-US Data Privacy Framework oder Standardvertragsklauseln. Das Gericht der EU hat die Klage Latombe gegen den Beschluss am 3. September 2025 abgewiesen (T-553/23); ein mögliches Rechtsmittel sollten Sie vor Vertragsabschluss prüfen. Siehe auch DSGVO bei HR-Software.

03 · KI-Regulierung

EU-KI-Verordnung (AI Act) für Recruiting-KI

KI für Personalmanagement und Recruiting ist in Anhang III der Verordnung (EU) 2024/1689 als Hochrisiko-Anwendungsfall gelistet. Die Hochrisiko-Pflichten gelten allerdings nicht seit dem 2. August 2026: Der Digital Omnibus, Verordnung (EU) 2026/1744 (veröffentlicht am 24. Juli 2026, in Kraft seit dem 27. Juli 2026), hat sie auf den 2. Dezember 2027 verschoben. Wer KI-gestützte Vorauswahl oder Bewerber-Ranking plant, braucht Risikomanagement, Bias-Kontrolle und menschliche Aufsicht und sollte das als Architekturprinzip im Zielbild verankern. Einzelheiten unter EU AI Act und HR.

04 · Entgelttransparenz

EU-Entgelttransparenzrichtlinie als Datenfrage

Die Richtlinie (EU) 2023/970 musste bis zum 7. Juni 2026 national umgesetzt werden. Sie verlangt unter anderem Angaben zur Entgeltspanne gegenüber Bewerbern (Art. 5) und Berichte zum Entgeltgefälle (Art. 9); ein deutsches Umsetzungsgesetz lag nach Quellen von Mai und Juni 2026 nicht vor. Vergütungsdaten, Stellenbewertungen und Gehaltsbänder brauchen deshalb ein eindeutig definiertes führendes System. Compensation gehört als eigene Datendomäne ins Zielbild, nicht als Nebenprodukt der Personalstammdaten.

05 · Informationssicherheit

ISO/IEC 27001 und NIS2

Unternehmen mit einem Managementsystem nach ISO/IEC 27001:2022 (die Übergangsfrist von der 2013er-Fassung endete laut Zertifizierern am 31. Oktober 2025) sollten Zugriffskontrollen, Verschlüsselung und Nachweisfähigkeit von Beginn an als feste Rahmenbedingung definieren. Das NIS-2-Umsetzungsgesetz ist seit dem 6. Dezember 2025 in Kraft; betroffene Unternehmen müssen sich registrieren, erhebliche Sicherheitsvorfälle melden und Risikomanagementmaßnahmen dokumentieren. Ob Sie betroffen sind, müssen Sie nach Mitteilung des BSI selbst prüfen.

06 · Schatten-IT

Unkontrollierte Punktlösungen

Ohne verbindliches Zielbild können Fachbereiche eigenständig Tools für Bewerbermanagement, Umfragen oder Skill-Datenbanken beschaffen. Wie viele parallele HR-Anwendungen Ihre Organisation tatsächlich betreibt, zeigt erst die Bestandsaufnahme in Schritt 1 des Vorgehens. Ein Zielbild mit klarem Freigabeprozess macht neue Insellösungen sichtbar, bevor sie entstehen.

07 · Altsysteme

Legacy-Lock-in

Gewachsene HR-Kernsysteme sind oft stark individualisiert. Ohne explizite Auseinandersetzung im Zielbild droht eine Migration, die bestehende, teils überholte, Prozesse lediglich in ein neues System überträgt, statt sie zu modernisieren.

08 · Governance

Governance-Lücken bei fehlendem Zielbild

Fehlt ein verbindliches Zielbild, verschiebt sich die strategische Entscheidung faktisch in die Anbieterauswahl: Vertriebszyklen einzelner Anbieter beeinflussen dann die Architekturentscheidung, statt umgekehrt. Ein von der Geschäftsführung freigegebenes Zielbild verhindert das, ein Risiko besonders bei größeren Investitionen.

Quellen: BAG, Beschluss vom 08.03.2022, 1 ABR 20/21 (bundesarbeitsgericht.de); Verordnungen (EU) 2024/1689 und 2026/1744; Richtlinie (EU) 2023/970 (EUR-Lex); Verordnung (EU) 2016/679, Art. 9, 25 und 35; EuG, Urteil vom 03.09.2025, T-553/23; BSI, Pressemitteilung vom 05.12.2025 zum NIS-2-Umsetzungsgesetz. Die Angabe zu ISO/IEC 27001:2022 stammt von Zertifizierern. Rechtliche Fragen klären Sie mit Rechtsanwalt oder Datenschutzbeauftragten.

Vorgehen

Der Weg zum HR-IT-Strategie-Zielbild in sechs Schritten

Erst nach der formalen Freigabe des Zielbilds beginnt die Detaillierung in ein konkretes Lastenheft.

01

Standortbestimmung: IST-Analyse der HR-Systemlandschaft

Erfassung aller aktuell eingesetzten HR-Systeme, Schnittstellen, manuellen Workarounds und Schatten-IT-Lösungen, inklusive der Systeme, die offiziell nicht existieren sollten. Planungsannahme: ein bis zwei Wochen.

02

Strategieableitung: Verknüpfung mit Unternehmens- und IT-Strategie

Abgleich der HR-Ziele mit Unternehmensstrategie, IT-Strategie sowie den bereits feststehenden regulatorischen Leitplanken (EU-KI-Verordnung, Entgelttransparenzrichtlinie, DSGVO, ggf. NIS2). Ergebnis: eine bestätigte Liste strategischer Leitplanken.

03

Stakeholder-Workshops: HR, IT, Geschäftsführung, Betriebsrat

Strukturierte Workshops legen Zielkonflikte offen. Der Betriebsrat sollte spätestens hier informiert und bei absehbarer Mitbestimmungspflicht aktiv eingebunden werden. Planungsannahme: zwei bis drei moderierte Termine über zwei bis drei Wochen.

04

Soll-Prozesslandschaft und Zielarchitektur entwickeln

Prozesslandkarte für alle HR-Kernprozesse plus Systemarchitektur-Prinzipien: führendes System pro Datendomäne, Integrationsstandards (SCIM, SAML2/OIDC), JML-Anbindung, Automatisierungsgrad je Prozess.

05

Priorisierung, Business Case und Investitionsrahmen festlegen

Bewertung der Prozessbereiche nach Nutzenpotenzial und Aufwand, Ableitung einer groben Investitionsspanne und Roadmap. Das liefert die inhaltliche und budgetäre Grundlage für das Lastenheft.

06

Freigabe des Zielbilds und Übergabe in die Lastenheft-Phase

Formale Freigabe durch Geschäftsführung, HR- und IT-Leitung, idealerweise dokumentiert. Erst danach beginnt die Detaillierung in ein konkretes Lastenheft mit priorisierten Muss-, Soll- und Kann-Anforderungen.

Prozessszenarien

Prozesse end-to-end beschreiben und im Proof of Value prüfen

Systeme lösen keine Prozessprobleme, sie machen sie sichtbar. Beschreiben Sie vor der Auswahl die wichtigsten Abläufe vom Recruiting-Übergang über Onboarding und Stammdatenänderungen bis zu Abwesenheit, Übergabe an die Lohnabrechnung und Offboarding. So werden Medienbrüche, unklare Verantwortung und Datenlücken sichtbar.

Je Ablauf genügt eine SIPOC-Übersicht (Lieferanten, Eingaben, Prozess, Ergebnisse, Kunden) und eine Swimlane-Skizze mit den Spuren HR, Führungskraft, IT, Payroll und Betriebsrat. Ein bis zwei Seiten je Szenario reichen aus, um später Drehbücher für die Demonstration abzuleiten.

SzenarioAuslöserBeteiligte SystemeKontrollenÜbergabe
Einstellung, Onboarding, Konto anlegenAngebot angenommenBewerbermanagement, HR-System, IdentitätsdienstSingle Sign-on, MFA, PflichtfelderSCIM und Ereignisse
Änderung von Stunden oder StandortAntrag der FührungskraftHR-System, Zeitwirtschaft, PayrollVier-Augen-PrinzipÄnderung als Delta, wiederholungssicher
Abwesenheit bis LohnabrechnungGenehmigungZeitwirtschaft, HR-System, PayrollStichtage und AbschlusszeitpunkteZusammenfassungen je Periode
AustrittKündigung oder VertragsendeHR-System, Identitätsdienst, PayrollEntzug der ZugängeAbschließendes Delta
BerichtswesenStichtagHR-System, BIZeilenbezogene Sichtbarkeit, MaskierungExporte oder Änderungsströme

Randfälle trennen Vorführung von Substanz. Bitten Sie Anbieter, diese Fälle live zu zeigen: Vertragswechsel mitten im Monat, Grenzgänger mit abweichenden Landesregeln, rückwirkende Korrekturen in abgerechnete Perioden, mehrstufige Genehmigungen mit Vertretung und Massenänderungen mit Protokoll und Rücknahme.

AnwendungsfallBeweiszielAkzeptanzkriterium
Vertragswechsel mitten im MonatÄnderungen und WiederholungssicherheitKeine Fehler im Parallellauf der Lohnabrechnung
Elternzeit mit TeilrückkehrFähigkeit zur HistorienführungGültigkeitszeiträume stimmen, keine Nachbuchung
Entzug der Zugänge beim AustrittKonsistenz der IdentitätenAlle Zugänge im vereinbarten Zeitfenster entzogen
Mehrstufige GenehmigungRollen und FunktionstrennungProtokoll vollständig, keine Selbstgenehmigung

Zeit- und Abwesenheitsszenarien vertiefen Zeit und Workforce Management und Arbeitszeiterfassungspflicht, Übergaben an die Lohnabrechnung Payroll-Software.

Datenqualität und Migration

Stammdaten als Fundament: Datenvertrag, Qualität und Migrationswellen

Saubere Stammdaten verringern das Risiko beim Go-live. Definieren Sie das Ziel-Datenmodell (Person, Beschäftigung, Organisation, Zeit und Abwesenheit), legen Sie Pflichtfelder, Code-Listen und Historienregeln fest und prüfen Sie dann Vollständigkeit, Dubletten und Widersprüche. Die Datenschutz-Grundverordnung verlangt in Art. 5 Abs. 1 Buchstabe d ohnehin sachlich richtige und aktuelle Daten.

Datenvertrag

Feldkatalog

Je Feld Name, Typ, Pflichtstatus, Codes, Gültigkeit von und bis, führendes System und Empfänger wie Payroll, ERP oder BI.

Führendes System

System-of-Record-Matrix

Beispielhaft: Kostenstelle im ERP, Organisation und Vorgesetzte im HR-System, Konto-Lebenszyklus im Identitätsdienst. Konfliktregeln dokumentieren.

Code-Listen

Einheitliche Werte

Standorte und Lohnarten mit Eigentümer und Änderungsprozess, damit Auswertungen und Schnittstellen dieselbe Sprache sprechen.

Validierungsregeln, die im Test greifen: IBAN mit Ländercode und Prüfziffer; Vorgesetzten-ID existiert, ist aktiv und führt zu keinem Zyklus im Organigramm; Kostenstellen sind im ERP zum Gültigkeitsdatum gültig; Arbeitszeitmodell passt zu Standort und Kalender und ist genehmigt.

01

Welle 0: Probelauf

Ein kleiner Ausschnitt des Datenbestands, Migrationsskripte, Validierungsregeln und Rückladeprüfung. Ziel ist, Fehlerklassen früh zu finden.

02

Welle 1: Pilotbereiche

Ausgewählte Bereiche mit Parallellauf der Lohnabrechnung, Fehlerklassen und Korrekturprotokoll.

03

Welle 2: Generalprobe

Gesamter Datenbestand mit Stichtagskalender, Freigabeprozess und Rücknahmeplan. Anteile je Welle legen Sie nach Datenmenge fest.

QualitätsmetrikDefinitionVerantwortlich
VollständigkeitAnteil gültig befüllter PflichtfelderHR Operations
EindeutigkeitDubletten je 1.000 PersonenHRIS-Verantwortliche
KonsistenzKonflikte zwischen Organisation und KostenstelleControlling
AktualitätMedianes Alter kritischer FelderFührungskräfte

Zielwerte setzen Sie nach Ihrer Baseline und verankern ein Korrektur-Service-Level. Die Begriffe HRIS, HCM und HRMS grenzt dieser Beitrag voneinander ab.

Integration und Datenschutz-Muster

Schnittstellen und Zugriffsschutz vor der Auswahl festlegen

Integration ist der Multiplikator für den Nutzen. Wer Identitäten per SCIM provisioniert, Single Sign-on mit Mehrfaktor-Authentifizierung nutzt und Ereignisse verarbeitet, reduziert Fehler und beschleunigt Abläufe. Zeichnen Sie vor den Anbietergesprächen Ihre Landschaft: HR-System, Bewerbermanagement, Zeit und Abwesenheit, Payroll, Finanzen und ERP, BI, Identitätsdienst, Zusammenarbeit.

Ereignisse

Event-first statt Batch-Überraschung

Definieren Sie ein Ereignisvokabular wie Einstellung, Änderung der Beschäftigung, Vergütungsänderung und Austritt. Verlangen Sie Wiederholungssicherheit (Ereignis-ID, Duplikaterkennung, Wiederholung mit Wartezeit) und Beobachtbarkeit (Korrelations-ID, Fehlerwarteschlange).

Zugriff

Sichtbarkeit und Maskierung

Zeilenbezogene Sichtbarkeit nach Rolle und Standort, Gehalt und IBAN standardmäßig maskiert, zeitlich begrenzte Administratorrechte und Begründungspflicht bei Änderungen an sensiblen Feldern. Das stützt Art. 25 und Art. 32 DSGVO.

Unterlagen

Vor der Ausschreibung bereithalten

Muster für den Auftragsverarbeitungsvertrag (Art. 28 DSGVO) mit technischen und organisatorischen Maßnahmen, Datenklassifizierung, Ablauf für Auskunftsanfragen, Sicherheits-Baseline und Backup-Regeln.

IntegrationRichtungMindestanforderungNachweis im Proof of Value
Identität und Single Sign-onbeidseitigOpenID Connect oder SAML 2.0, MFALogin-Abläufe, Notfallzugang mit Protokoll
SCIM-ProvisionierungbeidseitigAnlegen, Ändern, Deaktivieren (RFC 7644)Gruppenzuordnung und Rezertifizierung
Payroll-Exportvom HR-System wegÄnderungen als Delta, wiederholungssicherParallellauf mit Quittungen
ERP und FinanzenbeidseitigStichtage, Codes, führendes System je FeldBelegbuchung im Testsystem
BI und Analysevom HR-System wegExporte oder ÄnderungsströmeNachrechnen einer Kennzahl mit Maskierung

Auskunftsanfragen nach Art. 15 DSGVO muss der Verantwortliche grundsätzlich binnen eines Monats beantworten (Art. 12 Abs. 3 DSGVO). Einzelheiten finden Sie unter DSGVO bei HR-Software. Spezifikationen: SCIM (RFC 7644) und OpenID Connect (Core 1.0).

Budget und Vertrag

Kosten über mehrere Jahre kalkulieren und Vertragshebel festlegen

Kostenfallen liegen selten im Listenpreis, sondern in Einführung, Migration, Schnittstellen, Schulung und laufendem Betrieb. Kalkulieren Sie deshalb die Gesamtkosten über drei bis fünf Jahre, benennen Sie Annahmen und legen Sie Preisanpassung, Datenrückgabe und Exit-Exporte vertraglich fest. Konkrete Preise nennen die Anbieter in der Regel auf Anfrage.

BausteinBeispieleKostentreiberHebel
LizenzenPreis je Mitarbeitenden und Monat, ModuleMindestmengenStaffeln, Preisbindung
EinführungEinrichtung, Datenbereinigung, ParallelläufeProbeläufe, UmfangFestpreise, Freigabepunkte je Phase
IntegrationenSSO, SCIM, Payroll, ERP, iPaaSSonderfälleStandardkonnektoren
BetriebSupport, Administration, Tests je ReleaseRelease-FrequenzAutomatisierte Regressionstests
Change und SchulungTrainings, Anleitungen, ÜbersetzungenMehrsprachigkeitKurze Lernformate
AusstiegVollexport, Archivformate, WissensübergabeVollständigkeitFormate vertraglich festlegen

Rechenlogik mit Variablen. Lizenzkosten: Preis je Mitarbeitendem mal durchschnittliche Mitarbeiterzahl zuzüglich eines Puffers für Wachstum. Einführung: Tagessatz mal Tage mal Komplexitätsfaktor. Betrieb: Administrationsstunden je Monat mal Stundensatz plus Aufwand für Regressionstests. Die Werte setzen Sie aus Angeboten ein; Orientierung bieten HR-Software Kosten und Total Cost of Ownership.

Preis

Preisbindung und Erweiterungen

Verhandeln Sie heute, was in zwölf bis 24 Monaten an Modulen oder Ländern hinzukommt, und halten Sie Preise für diese Erweiterungen fest.

Testumgebung

Sandbox-Rechte

Anzahl, Aktualisierungszyklus, Datenmaskierung und Dauer nach Kündigung festlegen, damit Regressionstests nichts zusätzlich kosten.

Ausstieg

Exit-Fähigkeit

Exportformate wie CSV, JSON und PDF, Vollständigkeit einschließlich Anhängen und Protokollen sowie technische Unterstützung beim Wechsel.

Service

Service Credits

An Kennzahlen gekoppelt, zum Beispiel API-Verfügbarkeit oder Frist für den Datenexport bei Auskunftsanfragen.

Releases

Release-Governance

Vorlaufzeit, Sperrfenster rund um die Lohnabrechnung, Pflicht zu Regressionstests und Dokumentation.

Phasen

Freigabepunkte

Definition of Ready und Done je Welle; ohne bestandenes Gate gibt es keinen Übergang in die nächste Phase.

Die Hebel sind Verhandlungsansätze von Find-Your-HR, keine Marktstandards; rechtliche Details klären Sie mit Rechtsanwalt.

Zeitplan und Risiken

Von der Vorbereitung zur Entscheidung: Phasen, Gates und Risikoliste

Ein realistischer Zeitplan schützt vor Hektik und Leerlauf. Planen Sie harte Übergänge zwischen den Phasen: Nur geprüfte Artefakte gehen weiter. Beschränken Sie Entscheidungen zeitlich und setzen Sie wöchentliche Reviews an. Die Wochenangaben sind Planungsannahmen von Find-Your-HR, keine Marktwerte, und hängen von Größe und Komplexität ab.

Vorbereitung

Vier bis sechs Wochen

RACI, Ziele und KPIs, Prozesslandkarte, Datenprofiling, Bewertungsmatrix, Demoskript, erste Datenschutz- und Sicherheitsprüfung, Integrations-Blueprint.

Auswahl

Sechs bis zehn Wochen

Demonstrationen, Proof of Value, Referenzgespräche, erstes TCO-Modell und Risikomatrix. Einen Einstieg in die Anbieterlandschaft bieten HR-Software-Anbieter und die HR-Software-Shortlist.

Vertrag

Zwei bis drei Wochen

Vertrags- und Service-Level-Feinschliff, Entscheidung im Steering, dokumentierter Beschluss im Decision Log.

Eine einfache Heatmap aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung genügt, wenn Sie sie wöchentlich aktualisieren und mit Maßnahmen verknüpfen. Definieren Sie Frühwarnindikatoren wie verspätete Datenschutzunterlagen, fehlende Testumgebung, unklare Exportformate oder die Aussage „API später“ und legen Sie Eskalationspfade fest.

RisikoFrühwarnindikatorMaßnahmeVerantwortlich
Auftragsverarbeitungsvertrag oder TOMs fehlenKeine Unterlagen zum vereinbarten TerminStopp-Gate und Eskalation an die RechtsabteilungRecht
Schnittstellen unzureichendEreignis im Proof of Value nicht nachweisbarNachweis bis zum Stichtag verlangenIT
Datenqualität niedrigDublettenquote steigt in ProbeläufenBereinigung und zusätzliche ValidierungHRIS
Budget driftetÄnderungsaufträge häufen sichFreigabepunkte und FestpreiseProjektbüro
FAQ

Häufig gestellte Fragen zum HR-IT-Strategie-Zielbild

Antworten auf die Fragen, die HR-, IT- und Geschäftsführungsteams vor dem Start einer Softwareauswahl am häufigsten stellen.

Was ist ein HR-IT-Strategie-Zielbild genau?

Ein HR-IT-Strategie-Zielbild ist ein dokumentiertes, von HR, IT und Geschäftsführung gemeinsam getragenes Soll-Bild der künftigen HR-Prozess- und Systemlandschaft. Es beschreibt, welche HR-Prozesse in welcher Form künftig ablaufen sollen, welche Architekturprinzipien dabei gelten (z. B. ein zentrales HR-Kernsystem als Single Source of Truth) und wie dieses Zielbild mit der übergeordneten Unternehmens- und IT-Strategie zusammenhängt. Es ist bewusst kein Lastenheft mit Einzelanforderungen, sondern die strategische Grundlage, aus der ein Lastenheft erst konsistent abgeleitet werden kann.

Warum reicht ein Lastenheft allein nicht aus?

Ein Lastenheft listet in der Regel einzelne funktionale und technische Anforderungen auf, ohne notwendigerweise ein konsistentes Gesamtbild der Zielarchitektur zu liefern. Ohne vorgelagertes Zielbild entsteht das Risiko, dass Anforderungen den bestehenden Ist-Zustand fortschreiben statt die gewünschte Zielarchitektur abzubilden, und dass Widersprüche zwischen einzelnen Anforderungen erst während der Anbieterauswahl auffallen. Ein Zielbild liefert die Kriterien, an denen sich widersprüchliche oder unklare Anforderungen im Lastenheft auflösen lassen.

Wer sollte an der Entwicklung des Zielbilds beteiligt sein?

Kernrollen sind die HR-Leitung beziehungsweise ein CHRO, die IT-Leitung beziehungsweise ein CIO oder Enterprise-Architekt, die Geschäftsführung als strategischer Auftraggeber sowie, sobald mitbestimmungspflichtige Systemfunktionen absehbar sind, der Betriebsrat. In größeren Organisationen empfiehlt sich zusätzlich die Einbindung von Fachbereichsleitungen aus Recruiting, Payroll-nahen Funktionen und Personalentwicklung, um die Soll-Prozesslandschaft praxisnah zu gestalten.

Wie lange dauert die Entwicklung eines HR-IT-Zielbilds?

Eine belegte Marktstatistik dazu gibt es nicht. Als Planungsannahme von Find-Your-HR setzen wir zwei bis sechs Wochen an: eher am unteren Ende bei einem mittelständischen Unternehmen mit einem Standort, eher am oberen Ende bei Konzernstrukturen mit mehreren Landesgesellschaften. Entscheidend für die Dauer ist weniger die Unternehmensgröße als die Verfügbarkeit der relevanten Stakeholder für gemeinsame Workshop-Termine.

Was kostet die Entwicklung eines Zielbilds, und lohnt sich das für den Mittelstand?

Konkrete Preise lassen sich nicht seriös verallgemeinern; sie hängen davon ab, ob das Zielbild intern erarbeitet oder extern moderiert wird und wie viele Standorte, Prozesse und Workshops einbezogen werden. Intern rechnen Sie mit den Personalkosten der beteiligten Rollen, extern holen Sie Angebote ein (Preis auf Anfrage). Der Aufwand steht im Verhältnis zu den Gesamtkosten eines neuen HR-Kernsystems, die Sie unter Total Cost of Ownership abschätzen können. Einen Nachweis für eine bestimmte Einsparung gibt es nicht.

Wie hängt das Zielbild mit der Unternehmens-IT-Strategie zusammen?

Das HR-IT-Zielbild ist kein isoliertes HR-Dokument, sondern eine funktionsspezifische Ausprägung der übergeordneten IT-Strategie. Vorgaben wie eine Cloud-first-Strategie, einheitliche Sicherheitsstandards oder eine konzernweite Konsolidierung der Systemlandschaft müssen im HR-Zielbild berücksichtigt werden, damit die spätere HR-Software-Entscheidung nicht im Widerspruch zur IT-Governance steht.

Welche Rolle spielt der Betriebsrat bereits in dieser Phase?

Sobald absehbar ist, dass das künftige HR-System Funktionen enthält, die objektiv geeignet sind, Verhalten oder Leistung zu überwachen, etwa Zeiterfassung, Leistungsfunktionen oder Auswertungen, greift das Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG (BAG, 1 ABR 20/21). Eine frühzeitige, informelle Einbindung des Betriebsrats bereits in der Zielbild-Phase schafft Transparenz über geplante Funktionen und verhindert, dass die formale Mitbestimmung erst nach Abschluss der Anbieterauswahl zu Verzögerungen führt.

Welche Rolle spielt die EU-KI-Verordnung (AI Act) beim Zielbild?

KI-Systeme für Personalmanagement und Recruiting sind in Anhang III der Verordnung (EU) 2024/1689 als Hochrisiko-Anwendungsfälle gelistet. Die Hochrisiko-Pflichten gelten nach dem Digital Omnibus, Verordnung (EU) 2026/1744, nicht ab dem 2. August 2026, sondern ab dem 2. Dezember 2027. Sieht Ihr Zielbild KI-gestützte Vorauswahl, Ranking oder Leistungsbewertung vor, sollten Risikomanagement, Dokumentation, Bias-Kontrolle und menschliche Aufsicht von Beginn an als Architekturprinzip mitgedacht werden. Der Zeitgewinn ist eine Planungsreserve, kein Grund, das Thema zu vertagen.

Was passiert, wenn wir die Zielbild-Phase überspringen?

Typische Folgen sind ein Lastenheft, das den Status quo statt die Zielarchitektur abbildet, wiederkehrende Grundsatzdiskussionen während der Anbieterauswahl, weil zentrale Architekturfragen ungeklärt sind, sowie ein erhöhtes Risiko, dass IT-Sicherheits-, Datenschutz- oder KI-Compliance-Anforderungen erst spät auffallen und bereits favorisierte Anbieter wieder ausscheiden lassen. Das kann die Gesamtprojektdauer verlängern; eine Studie, die das beziffert, kennen wir nicht.

Wie oft sollte das Zielbild aktualisiert werden?

Ein HR-IT-Zielbild ist kein einmaliges Dokument, sondern sollte spätestens bei wesentlichen Änderungen der Unternehmensstrategie (Übernahmen, neue Märkte, signifikantes Wachstum) sowie regulär alle zwei bis drei Jahre überprüft werden. Zwischen einer Zielbild-Erstellung und dem tatsächlichen Beginn einer Softwareauswahl sollte in der Regel nicht mehr als ein Jahr vergehen, da sich strategische und regulatorische Rahmenbedingungen in dieser Zeit relevant ändern können.

Braucht man für ein Zielbild einen externen Berater, oder geht das auch intern?

Unternehmen mit etablierter Enterprise-Architecture-Funktion und einem eingespielten Zusammenspiel zwischen HR und IT können ein Zielbild grundsätzlich intern erarbeiten. Häufig fehlt jedoch die methodische Erfahrung mit Prozessmodellierung und Architekturprinzipien oder eine neutrale Moderationsrolle, um Zielkonflikte zwischen HR, IT und Geschäftsführung sachlich aufzulösen. Externe Begleitung kann sich lohnen, wenn frühere Softwareprojekte an genau diesen Konflikten gescheitert sind.

Wie erhebe ich vor der Auswahl eine belastbare Baseline für meine KPIs?

Wählen Sie einen Messzeitraum, der Spitzen wie Urlaubszeit und Jahreswechsel abdeckt, und ziehen Sie operative Quellen heran, zum Beispiel Tickets, Rückläufe aus der Lohnabrechnung und Zeitwirtschaft. Trennen Sie nach Bereichen, Standorten und Ländern und werten Sie Median (P50) und 90. Perzentil (P90) statt nur den Mittelwert aus. Halten Sie Definition, Zeitraum, Stichtage und Ausnahmen je Kennzahl in einem Messhandbuch fest. Konkrete Zielwerte hängen von Ihrer Ausgangslage ab.

Welche Szenarien sollte ein Proof of Value abdecken?

Prüfen Sie Abläufe vom Einstellen bis zum Austritt Ende zu Ende statt einzelner Funktionen: Vertragswechsel mitten im Monat, Elternzeit mit Teilrückkehr, rückwirkende Korrekturen, mehrstufige Genehmigungen mit Vertretung und Massenänderungen. Legen Sie vorab Beweisziel und Akzeptanzkriterium fest, zum Beispiel keine Fehler im Parallellauf der Lohnabrechnung, und verlangen Sie einen Testzugang, damit Ihr Team Administrationsaufgaben selbst durchspielt.

Welche Datenschutz- und Sicherheitsunterlagen sollte ich vor der Ausschreibung bereithalten?

Sinnvoll sind ein Muster für den Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO mit Maßnahmen nach Art. 32 DSGVO und Regeln für Unterauftragsverarbeiter, eine Datenklassifizierung, ein Ablauf für Auskunftsanfragen nach Art. 15 DSGVO, eine Sicherheits-Baseline mit Single Sign-on, Mehrfaktor-Authentifizierung und Protokollierung sowie eine Backup-Regelung. Ob eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO nötig ist, klären Sie mit Ihrer oder Ihrem Datenschutzbeauftragten.

Welche Vertragspunkte sollte ich vor der Unterzeichnung klären?

Klären Sie Preisbindung für spätere Module, Umfang und Dauer von Testumgebungen, Exportformate beim Ausstieg, Service Levels samt Folgen bei Verfehlen, Sperrfenster für Releases und die Anrechnung von Proof-of-Value-Kosten. Das sind Verhandlungsansätze, keine Marktstandards.

Beginnen Sie die HR-Softwareauswahl mit einem Zielbild, nicht mit einer Funktionsliste.

Ein HR-IT-Strategie-Zielbild zeigt, ob Ihre spätere Anbieterauswahl auf einer konsistenten Zielarchitektur aufbaut oder auf einer Sammlung von Einzelwünschen. Nutzen Sie die Reifegradmatrix und das Vorgehen in sechs Schritten als Ausgangspunkt für Ihren eigenen Zielbild-Workshop. Danach übersetzen Sie das Zielbild in ein Lastenheft, prüfen die HR-Software-Checkliste und grenzen den Markt über die Anbieterübersicht ein.