HR-Software für die Logistik: Schichtplanung, Fahrerzeiten und Zeitarbeit im Vergleich
HR-Software für die Logistik bildet ab, was Standard-Personalsoftware nicht kann: Schichtplanung nach Sendungsmengen im Lager, die Arbeitszeit von Berufskraftfahrern nach § 21a Arbeitszeitgesetz, den Einsatz von Zeitarbeitskräften und die Aufzeichnungspflicht nach Mindestlohngesetz. Dieser anbieterneutrale Vergleich ordnet acht Anbieter und Anbietertypen für Speditionen, Kontraktlogistiker und Lagerbetreiber mit 100 bis 2.000 Beschäftigten ein.
Warum Logistik-HR anders funktioniert
Logistikunternehmen arbeiten mit zwei sehr unterschiedlichen Belegschaften unter einem Dach: Beschäftigte im Lager mit Schichtbetrieb und stark schwankenden Mengen, und Berufskraftfahrer, deren Arbeitszeit nach eigenen Regeln erfasst wird. Dazu kommt ein hoher Anteil an Zeitarbeitskräften in Spitzenzeiten. HR-Software für die Logistik muss alle drei Gruppen in einem System abbilden, ohne dass Lohnabrechnung und Arbeitszeitnachweise auseinanderlaufen.
Warum Standard-HR im Lager und auf der Straße scheitert
Klassische HR-Suiten planen Personal nach festen Dienstplänen. In der Kontraktlogistik und im Versandlager bestimmt dagegen die Auftragsmenge des nächsten Tages, wie viele Kommissionierer gebraucht werden. Fahrerzeiten liegen im digitalen Tachographen und nicht im Stempelterminal, und die Arbeitszeit nach § 21a ArbZG unterscheidet sich von der Lenkzeit nach Verordnung (EG) Nr. 561/2006. Wer beides manuell zusammenführt, riskiert Fehler bei Zuschlägen, Spesen und Mindestlohnnachweis. Hinzu kommt der Fahrermangel: Nach Angaben des BGL fehlen über 70.000 Lkw-Fahrer, rund ein Drittel der Fahrer ist älter als 55 Jahre (Januar 2026).
Was eine logistiktaugliche HR-Plattform leistet
Eine logistiktaugliche HR-Plattform verbindet Personaleinsatzplanung mit Mengenprognosen aus dem Lagerverwaltungssystem, übernimmt Fahrerzeiten aus Tachograph und Telematik und rechnet sie getrennt nach Lenkzeit, sonstiger Arbeitszeit und Bereitschaft ab. Zeitarbeitskräfte laufen im selben Plan mit, inklusive Überlassungsdauer und Aufzeichnungspflicht. Für die technische Seite der Lagerprozesse lohnt der Blick auf unsere Schwesterplattform Find-Your-WMS, für die Zeitwirtschaft in produzierenden Betrieben auf die Seite HR-Software für die Fertigung.
HR-Software-Anbieter für die Logistik im Vergleich
Die Übersicht ordnet Anbieter nach den Kriterien, die in Lager und Transport den Ausschlag geben: Einsatzplanung nach Mengen, Zeiterfassung für Lager und Fahrer sowie der Umgang mit Zeitarbeit. Alle Angaben beruhen auf Herstellerangaben und öffentlich zugänglichen Referenzen (Stand: Oktober 2026). Funktionen, die nicht ausgewiesen sind, sollten in der Demo geprüft werden.
| Anbieter | Schwerpunkt | Einsatzplanung und Logistik-Tiefe | Zeiterfassung | Preismodell |
|---|---|---|---|---|
| ATOSS Software SEWorkforce-Management-Spezialist, gegr. 1987, München | Zeitwirtschaft und Personaleinsatzplanung, eigene Logistik-Lösung | Tief: Einsatzplanung über viele Standorte, Kostenplanung für Zeitarbeitskräfte (Referenz Planzer: 5.300 Beschäftigte, 59 Standorte, rund 500 Zeitarbeitskräfte) | Terminals, App, Datenübergabe an SAP-Payroll | Preis auf Anfrage, projektbasiert |
| ProtimeZeit- und Zutrittsspezialist, Mechelen (BE), Teil der SD Worx Gruppe | Zeiterfassung, qualifikationsbasierte Einsatzplanung, Zutrittskontrolle | Mehrere Standorte und Linien, Hinweise zu Ruhezeiten (Herstellerangabe) | Terminals, Ausweis, App, Payroll-Schnittstellen | Preis auf Anfrage |
| QuinyxCloud-Workforce-Management, Schweden | Schichtplanung mit KI-gestützter Bedarfsprognose für Handel, Logistik und Gastronomie | Bedarfsprognose auf Basis von Volumendaten, mehr als 800 Kunden (Herstellerangabe) | App-first, Schichttausch | Preis auf Anfrage |
| SAP SuccessFactorsHR-Suite der SAP SE, Walldorf | Konzern-HR mit Integration in SAP-Logistik (EWM, TM) | Hoch bei SAP-Landschaft, Zeitwirtschaft über Zusatzmodule | Über Zusatzmodule | Lizenzbasiert, höheres Preissegment |
| PersonioCloud-HR-Software, gegr. 2015, München | HR-Kernsystem für den Mittelstand | Grundlegende Schichtplanung, Fahrerzeiten nur über Schnittstellen | Mobile Zeiterfassung | Preis auf Anfrage |
| KenjoWorkforce-Management für KMU, gegr. 2017, Berlin | Schichtplanung, Zeiterfassung und Abwesenheiten für deskless Teams | Schichtplanung über mehrere Standorte (Herstellerangabe) | App, Zeiterfassung pro Tag | Preise auf der Herstellerseite |
| zvoove / rexx systemsDeutsche Anbieter für Personaldienstleistung und HR | Zeitarbeit, Fremdpersonal, Payroll-nahe Prozesse | Mittlere Tiefe, Stärke bei Überlassung und Abrechnung | Terminal- und App-Lösungen | Modulare Preise auf Anfrage |
| App-first-Toolsz. B. Ordio, Papershift | Schichtplanung und Zeiterfassung per App für kleinere Lager- und Zustellteams | Basisplanung, keine Tachograph-Anbindung im Standard | Sehr stark, App-first | Nutzerbasierte Monatspreise |
Die Referenz zu ATOSS stammt aus einer veröffentlichten Fallstudie des Schweizer Logistikers Planzer. Die Zeile App-first-Tools beschreibt eine Anbietergruppe, keine Einzelbewertung. Bezahlte Platzierungen gibt es nicht, mehr dazu in unserer Methodik.
Was HR-Software Logistik mitbringen muss
Sechs Funktionsbereiche entscheiden darüber, ob die Software im Lager und im Fuhrpark tatsächlich genutzt wird.
Mengenbasierte Personaleinsatzplanung
Bedarf je Schicht aus Sendungs- und Auftragsvolumen des Lagerverwaltungssystems ableiten, Unter- und Überdeckung früh sichtbar machen.
Fahrerarbeitszeit nach § 21a ArbZG
Arbeitszeit, Bereitschaft und Lenkzeit getrennt erfassen, 48-Stunden-Durchschnitt über vier Monate oder 16 Wochen überwachen.
Tachograph- und Telematikanbindung
Daten der Fahrerkarte und des Fahrzeuggeräts übernehmen, statt sie manuell in die Zeitwirtschaft zu übertragen.
Zeitarbeit und Fremdpersonal
Zeitarbeitskräfte im selben Schichtplan führen, Überlassungsdauer und Equal-Pay-Fristen nach AÜG nachhalten.
Spesen und Zuschläge
Verpflegungsmehraufwand, Nacht- und Sonntagszuschläge sowie Übernachtungen im Fahrzeug regelbasiert für die Lohnabrechnung aufbereiten.
Mehrsprachige App für Lager und Fahrer
Schichttausch, Urlaubsanträge und Unterweisungen ohne Firmen-E-Mail, in den Sprachen der Belegschaft.
Anbindung an WMS, TMS und Payroll
In der Logistik entstehen die Daten für Personalplanung und Arbeitszeit in anderen Systemen. Ohne diese Schnittstellen bleibt HR-Software eine Insel.
Lagerverwaltung (WMS)
Auftrags- und Mengendaten als Grundlage für die Schichtplanung im Lager.
Transport und Telematik (TMS)
Touren, Fahrerzuordnung und Tachographdaten für Arbeitszeit und Spesen.
Payroll und DATEV
Export von Zeitkonten, Zuschlägen und Spesen an die Lohnabrechnung.
Zeitarbeitsdienstleister
Stunden der Zeitarbeitskräfte für Rechnungsprüfung und Kostenstellen.
Compliance: Fahrerzeit, Mindestlohn und Telematik
Sechs Rechtsbereiche, die HR-Software in der Logistik technisch unterstützen muss (Stand: Oktober 2026).
Arbeitszeit von Fahrern
Die Arbeitszeit darf 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten und kann auf bis zu 60 Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von vier Kalendermonaten oder 16 Wochen im Durchschnitt 48 Stunden nicht überschritten werden. Der Arbeitgeber muss die Arbeitszeit aufzeichnen und die Aufzeichnungen mindestens zwei Jahre aufbewahren (§ 21a Abs. 4 und 7 ArbZG).
Lenk- und Ruhezeiten
Lenk- und Ruhezeiten richten sich nach EU-Recht und werden über den digitalen Tachographen nachgewiesen. Die Lenkzeit ist nur ein Teil der Arbeitszeit, Be- und Entladen oder Wartezeiten kommen hinzu.
Aufzeichnung für den Zoll
Das Speditions-, Transport- und damit verbundene Logistikgewerbe gehört zu den Branchen nach § 2a SchwarzArbG. Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit sind bis zum siebten Kalendertag nach der Arbeitsleistung aufzuzeichnen und zwei Jahre aufzubewahren. Das gilt auch für Entleiher von Zeitarbeitskräften.
Ausweispflicht
Beschäftigte in der Logistik müssen Ausweispapiere mitführen, der Arbeitgeber muss schriftlich auf diese Pflicht hinweisen und den Hinweis aufbewahren.
Zeitarbeit im Lager
Überlassungshöchstdauer grundsätzlich 18 Monate, Equal Pay spätestens nach neun Monaten, sofern Tarifverträge nichts Abweichendes regeln. Die Software sollte beide Fristen je Person nachhalten.
Telematik und Mitbestimmung
GPS- und Telematiksysteme sind zur Leistungs- und Verhaltenskontrolle geeignet und damit nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG mitbestimmungspflichtig. Zweckbindung und Löschfristen der Standortdaten gehören in die Betriebsvereinbarung.
In sechs Schritten zur passenden HR-Software
Ein strukturierter Ablauf verhindert, dass Lager, Fuhrpark und Lohnabrechnung jeweils eigene Insellösungen behalten.
Belegschaft und Regelwerk erfassen
Lager, Fahrer, Zeitarbeit und Verwaltung getrennt aufnehmen, inklusive Tarifvertrag, Schichtmodellen und Spesenregeln.
Datenquellen klären
Welche Daten liefern WMS, TMS, Tachograph-Download und Zeitarbeitsdienstleister, in welchem Format und Takt?
Anforderungskatalog mit Compliance-Fokus
§ 21a ArbZG, § 17 MiLoG, AÜG und Mitbestimmung als Muss-Kriterien festhalten.
Shortlist und Demo mit eigenen Daten
Zwei bis drei Anbieter mit einer echten Woche aus Lager und Fuhrpark testen, nicht mit Demodaten.
Pilot an einem Standort
Ein Lager mit Fahrerteam für vier bis acht Wochen parallel zur bisherigen Lösung betreiben.
Rollout und Betriebsvereinbarung
Stufenweise Einführung, Schulung der Schichtleitungen, Betriebsvereinbarung zu Zeiterfassung und Telematik abschließen.
Vorlagen für die Auswahl: HR-Software Lastenheft, HR-Software Demos bewerten und Betriebsrat einbinden.
Häufige Fragen zu HR-Software Logistik
Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen zu Auswahl, Recht und Kosten.
HR-Software für die Logistik muss drei Gruppen in einem System abbilden: Lagerbeschäftigte im Schichtbetrieb, Berufskraftfahrer mit eigener Arbeitszeitregelung und Zeitarbeitskräfte in Spitzenzeiten. Wichtig sind eine Personaleinsatzplanung, die sich an Sendungsmengen orientiert, die getrennte Erfassung von Lenkzeit, sonstiger Arbeitszeit und Bereitschaft sowie die Aufzeichnung nach Mindestlohngesetz. Dazu kommen Spesen- und Zuschlagsregeln für die Lohnabrechnung und eine mehrsprachige App für Beschäftigte ohne Firmen-E-Mail.
Für Fahrer im Straßentransport gilt § 21a Arbeitszeitgesetz. Die Arbeitszeit darf 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten und kann auf bis zu 60 Stunden verlängert werden, wenn der Durchschnitt über vier Kalendermonate oder 16 Wochen bei 48 Stunden bleibt. Der Arbeitgeber muss die Arbeitszeit aufzeichnen und mindestens zwei Jahre aufbewahren. Die Lenkzeit aus dem digitalen Tachographen deckt nur einen Teil davon ab, Be- und Entladen, Wartezeiten und Fahrzeugkontrollen kommen hinzu. Eine geeignete HR-Software übernimmt die Tachographdaten und ergänzt die übrigen Tätigkeiten.
Ja. Das Speditions-, Transport- und damit verbundene Logistikgewerbe ist in § 2a Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz genannt. Nach § 17 Mindestlohngesetz müssen Arbeitgeber in diesen Branchen Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit spätestens bis zum siebten Kalendertag nach der Arbeitsleistung aufzeichnen und die Aufzeichnungen zwei Jahre aufbewahren. Die Pflicht gilt auch für Entleiher, denen Zeitarbeitskräfte überlassen werden. Bei Kontrollen durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit müssen die Unterlagen in deutscher Sprache bereitliegen.
Für größere Logistiker mit vielen Standorten kommen Workforce-Management-Spezialisten wie ATOSS, Protime oder Quinyx in Frage, die Einsatzplanung nach Mengen und Zeiterfassung an Terminals verbinden. Unternehmen mit SAP-Landschaft prüfen SAP SuccessFactors mit Zusatzmodulen. Für den Mittelstand eignen sich HR-Suiten wie Personio oder Kenjo, ergänzt um App-first-Tools wie Ordio oder Papershift für kleinere Teams. Wer viele Zeitarbeitskräfte einsetzt, sollte zusätzlich Anbieter mit Wurzeln in der Personaldienstleistung wie zvoove oder rexx systems vergleichen.
Die Daten der Fahrerkarte und des Fahrzeuggeräts werden in der Regel über eine Download-Lösung oder das Telematiksystem ausgelesen und als Datei oder über eine Schnittstelle an die Zeitwirtschaft übergeben. Entscheidend ist, dass die HR-Software Lenkzeit, sonstige Arbeitszeit und Bereitschaft unterscheiden kann und die Daten den richtigen Personalnummern zuordnet. In der Demo sollte ein echter Tachograph-Export eines Fahrers durchgespielt werden. Ohne diese Anbindung bleibt die Arbeitszeiterfassung der Fahrer eine manuelle Doppelerfassung.
Moderne Workforce-Management-Systeme leiten den Personalbedarf je Schicht aus Auftrags- oder Sendungsdaten ab, die aus dem Lagerverwaltungssystem kommen. Daraus entsteht ein Bedarfsplan je Tätigkeit, etwa Wareneingang, Kommissionierung und Versand, den die Schichtleitung mit Stammbelegschaft und Zeitarbeitskräften besetzt. Voraussetzung ist eine Schnittstelle zum WMS und eine saubere Zuordnung von Qualifikationen, zum Beispiel Staplerschein. Wie das Lagerverwaltungssystem selbst ausgewählt wird, behandelt unsere Schwesterplattform Find-Your-WMS.
Zeitarbeitskräfte sollten im selben Schichtplan wie die Stammbelegschaft geführt werden, damit Bedarf und Besetzung vollständig sichtbar sind. Die Software sollte je Person die Überlassungsdauer von grundsätzlich höchstens 18 Monaten und den Equal-Pay-Anspruch spätestens nach neun Monaten nachhalten, sofern Tarifverträge nichts anderes regeln. Für die Rechnungsprüfung werden die erfassten Stunden mit den Abrechnungen des Personaldienstleisters abgeglichen. Als Entleiher ist das Logistikunternehmen zudem zur Arbeitszeitaufzeichnung nach § 17 Mindestlohngesetz verpflichtet.
Ja. Telematik- und GPS-Systeme sind geeignet, Verhalten und Leistung der Fahrer zu überwachen, und unterliegen deshalb der Mitbestimmung nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 Betriebsverfassungsgesetz. In der Betriebsvereinbarung sollten Zweck, Auswertungsrechte und Löschfristen der Standortdaten geregelt werden. Datenschutzrechtlich gilt die Zweckbindung nach DSGVO, eine dauerhafte Ortung außerhalb der Arbeitszeit ist in der Regel unzulässig. Den Ablauf der Abstimmung beschreibt unsere Seite zum Betriebsrat im HR-Projekt.
Für einen einzelnen Standort mit überschaubarer Schichtstruktur sind drei bis sechs Monate von der Anforderungsanalyse bis zum Echtbetrieb realistisch. Mit mehreren Lagern, Tachograph-Anbindung und Betriebsvereinbarung kann es neun bis zwölf Monate oder länger dauern. Ein Pilot an einem Standort mit eigenem Fahrerteam reduziert das Risiko deutlich. Diese Werte sind eine eigene Einordnung und hängen stark von Datenqualität und Projektkapazität ab.
Die meisten Anbieter im Logistiksegment arbeiten mit Preisen auf Anfrage, daher sind nur grobe Orientierungswerte möglich. Kostentreiber sind die Zahl der Standorte, Terminals, die Tachograph- und WMS-Anbindung sowie Module für Zeitarbeit und Spesen. Für eine belastbare Planung sollten Lizenz, Einführung, Hardware und interner Aufwand über fünf Jahre gerechnet werden. Eine Vorlage dafür bietet unsere Seite zur Gesamtkostenrechnung von HR-Software.
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